Wir haben noch Luft nach oben

Wie kann Nachhaltigkeit und „grüne“ Produktion in einem großen Medienhaus umgesetzt werden? Wir haben bei Christian Pöttler, Chef des Wiener Echo Medienhauses, nachgefragt, wie er geschäftliche Interessen und Nachhaltigkeit unter einen Hut bringt.

pöttler (c) Inge Prader

Christian Pöttler © Inge Prader

Herr Pöttler, Ihr Medienhaus bringt 33 Magazine, Zeitungen und Bücher heraus. Darunter Titel wie das Vormagazin oder Wien live. Wie wichtig ist Ihnen dabei nachhaltige Produktion?

Auf Nachhaltigkeit legen wir aus zwei Gründen Wert: Einerseits ist uns nachhaltiger Content sehr wichtig, wir möchten keine Texte für den Müll produzieren, und dies impliziert das andererseits: Je wertiger der Inhalt, umso wertiger muss auch die Hülle sein.

Ich muss aber zugeben, dass wir bei der nachhaltigen Produktion noch Luft nach oben haben, da in den letzten Jahren eher die Wirtschaftlichkeit als die Nachhaltigkeit im Fokus gestanden ist. Das Diktat der Finanzabteilung hat in den letzten Jahren geherrscht, aber Kostenreduktion kann nicht das einzige beherrschende Thema in einem Unternehmen sein. Maßnahmen der Nachhaltigkeit stehen auf unserer To-do- Liste ganz oben. Denn das Floriani-Prinzip „Die anderen sollen tun, und wir lehnen uns zurück“ gilt für uns definitiv nicht.

Die Druckbranche soll bei den relevanten Gütesiegeln Aufklärung bieten.
Christian Pöttler

Heißt das, die gängigen Gütesiegel und Labels sind schwer durchschaubar?

Ich denke, dass jedes Gütesiegel, dessen Hintergrund darstellbar ist, wertvoll ist. Die Gütesiegel übernehmen dann die Funktion von Ampeln im Straßenverkehr. Wir wünschen uns hier Aufklärung von der Druckbranche und auch von Ihrem Verband.

Setzen Sie auf österreichische Produktion, oder vergeben Sie Ihre Druckaufträge eher an den Billigstbieter, der auch im Ausland produzieren kann?

Bei der Produktion geben wir ein klares Statement für eine europäische Produktion ab und versuchen hier besonders auch auf Regionalität zu setzen. Daher lassen wir unsere Druckwerke großteils rund um Wien drucken. Damit können wir unseren CO2-Footprint klein halten und profitieren von kurzen Lieferzeiten.

Wir müssen im Bereich Nachhaltigkeit erst unseren Platz finden.
Christian Pöttler

Werden Ihre Medien auch CO2-neutral gedruckt?

Nein, (noch) nicht. In der Auftragsproduktion, bei Flyern und Broschüren sind wir kundengetrieben und setzen deren Wünsche um. Ich kann Ihnen aber sagen, dass bei der nächsten Ausschreibung für unsere Druckwerke CSR und nachhaltige Produktion wesentlich sein wird. Wir wollen und müssen uns in diesem Themenkreis zwar erst positionieren, werden aber unseren Platz finden.

Neben Ihrer Verlagstätigkeit sind Sie auch stark im Eventgeschäft tätig und organisieren österreichweit 29 Veranstaltungen, darunter Megaevents wie das Donauinselfest und den Vienna Night Run. Spielt bei der Ausrichtung dieser Events der Umweltgedanke eine Rolle?

Ja, unbedingt. Unsere Kerngesinnung ist es, bei jedem Event Ressourcen zu sparen, sei es bei Energie oder Rohstoffen. Das tun wir aus ökologischen und ökonomischen Gründen.

Wir passen auf uns und unsere Mitarbeiter auf.
Christian Pöttler

Führen Sie das Echo Medienhaus unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien?

Neben den Themen, die ich schon vorher genannt habe, stellen wir jedes Jahr sehr viel Geld für wohltätige Organisationen auf. Man denke nur an den erste bank vienna right run, wo ein Großteil der Nenngelder Licht für die Welt zugute kommt. Außerdem legen wir sehr viel Wert darauf, wie es unseren Mitarbeitern geht, das ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Christian Pöttler ist Geschäftsführer des Echo Medienhauses.
Foto: © echo medienhaus

Unter dem Dach des Echo Medienhauses finden sich 33 Magazintitel, 29 Events und auch Werbeagenturen. Das Unternehmen mit Sitz im Wiener Media Quarter beschäftigt rd. 150 Mitarbeiter. Christian Pöttler ist seit 22 Jahren Geschäftsführer und verantwortet die Bereiche Event und einen Teil des Verlages.

www.echo.at