Wie gestaltet man Druckprodukte für die Zukunft?

Gastbeitrag von Dr. Werner Sobotka

Die Menge an Verpackung steigt: die Gründe sind vor allem Online-Shopping und die steigende Bedeutung von Papier als Alternative zu Plastik.

Rund 400 Millionen Tonnen Papierprodukte werden jährlich produziert und davon allein 77 Millionen Tonnen in Europa. Jedes Jahr werden Druckprodukte aus Papier und Verpackungen aus Karton im Wert von 16,2 Milliarden € weggeworfen und nicht mehr wiederverwendet. 

In welchem Umfeld befinden wir uns derzeit? 

Nach dem Verbot des Importes von unsortiertem Papierabfall hat China ein Memorandum mit der EU für Kreislaufwirtschaft unterzeichnet. Im EU-Rahmenprogramm für Abfall wird die Verwendung von potenziell gefährlichen Stoffen für recycelbare Produkte bereits untersagt. Für den Papiersektor wurden 51 kontaminierende Substanzen definiert, beispielsweise Mineralöle, Phthalate, Phenole und Parabene. Der Markt verlangt bereits immer stärker nach umweltzertifiziertem Recyclingpapier. Die Mengen sind zurzeit noch limitiert, obwohl der Verbrauch steigt. 

Wo geht die Reise hin?

Um den Wert von Papier und Karton aus Recyclingprozessen zu erhöhen, muss zunächst die Papierbranche das Konzept für die Produktion von Recyclingpapieren verändern. Durch Optimierung der Prozesse kann eine weitaus bessere Umweltverträglichkeit bei Recyclingpapier erzielt werden, und das ohne Qualitätsminderung für den Druck. Prozesse, die den Wasserverbrauch stark minimieren, sind bereits in Konzeption. Dadurch wird auch die Qualität erhöht, indem die Faserqualität verbessert und die Verunreinigungen reduziert werden.

Im Druckprozess selbst sind Rohstoffe zu vermeiden, die einen hohen VOC-Anteil aufweisen, also Feuchtwasserzusätze, Reinigungsmittel und andere Druckzusätze. Auch das IPA-freie Drucken ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. 

Einen entscheidenden Einfluss hat die Qualität der Druckfarben. Die ideale Druckfarbe der Zukunft basiert auf nachwachsenden Pflanzenölen, ist kobaltfrei rezeptiert und trotzdem problemlos deinkbar (nachweisbar durch die Prüfmethode INGEDE 11).

Gesetzliches Umfeld

Die neue Verpackungs- und Verpackungsmüll-Direktive soll bis Juli 2020 umgesetzt werden. Die vorgesehene Recyclingquote von 75 % wird in Österreich bereits erreicht. Bis 2030 soll die Quote dann auf 85 % erhöht werden. 

Auch die neue Einzelverpackungs-Plastikverordnung ist zu berücksichtigen. Plastikabfall wird komplett verboten werden und davon betroffen sind natürlich auch alle bedruckten Plastik-Papier Verbundmaterialien.

Ergebnis

Drucker sollten sich bereits heute sehr genau überlegen, wie sie ihre Produktionsprozesse optimieren können und vor allem den Einsatz an Bedruckstoffen so gestalten, dass ein optimales Recycling sowie eine völlige VOC- und giftfreie Produktion erzielt werden kann.

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