Turbulenzen am Papiermarkt schwappen auf Druckbranche über

November 2018: Gestiegene Zellstoffpreise, Kapazitätenabbau beim grafischen Papier, sowie steigende Preise treffen auf eine ungebremste Nachfrage bei Gedrucktem. Dies führt klarerweise zu Spannungen in der Druckbranche.

„Die Einkaufsabteilungen der Druckereien sind derzeit sehr gefordert. So gibt es bei holzfrei gestrichenen, ungestrichenen und mittelfeinen Papieren wenig kurzfristig verfügbare Mengen, dies kann vereinzelt zu längeren Wartezeiten führen. Kurzfristige Order werden so zu einem schwierigen Unterfangen. Steigende Zellstoffpreise und ein europaweiter Kapazitätenabbau bei grafischen Papieren wirken sich außerdem als Preistreiber aus“, berichtet Gerald Watzal, Präsident des Verband Druck & Medientechnik. Ein Blick auf die Zahlen zeige, dass es in den nächsten Monaten zu einer weiteren Verschärfung kommen kann: „Die Pläne der Papierindustrie, weitere Kapazitäten bei grafischem Papier abzubauen, entsprechen nicht der aktuellen Nachfrage. Ein leichter Preisanstieg für Gedrucktes könnte die Folge sein, da die Margen nicht nur aufgrund des Papiers, sondern auch aufgrund gestiegener Energie-, Farb- und Plattenpreise in den letzten Monaten unter Druck gekommen sind.“

Hintergrund

Seit einigen Jahren schon verzeichnen die Papierhersteller laut dem europäischen Verband der Druckereibranche, INTERGRAF, Rückgänge im Bereich grafisches Papier. Knapp 21 Millionen Tonnen grafisches Papier (ohne Zeitungspapier) wurde 2017 europaweit abgesetzt. Im Jahr 2010 waren es noch 26,4 Millionen Tonnen. Der Papierverbrauch bei einzelnen Papiersorten ist europaweit zuletzt jedoch wieder gestiegen und hat sich auf dem Niveau des Jahres 2012 eingependelt. Seit 2010 hat die Papierindustrie sukzessive in Verpackungs- und Spezialpapiere investiert sowie die Produktion von grafischem Papier abgebaut. Insgesamt fielen in den letzten Jahren durch Schließungen und Umrüstungen etwa in Scheufelen/Deutschland, Burgo/Italien, Stora Enso/Finnland oder UPM/Frankreich in Summe rd. 5,2 Millionen Tonnen an holzfrei gestrichenem und mittelfeinem Papier weg.

Derzeit gibt es wieder eine stärkere Nachfrage nach Gedrucktem und damit grafischem Papier. Dennoch sind weitere Schließungen geplant. Im April kündigte etwa UPM am Standort Dörpen den Umbau der Papiermaschine 2 von Feinpapier auf Etikettenpapier (Glassine) an. Im Juni sickerte durch, dass Stora Enso eine Machbarkeitsstudie und Umweltverträglichkeitsprüfung in Auftrag gegeben hat, mit der eine Umstellung der finnischen Papierfabrik Oulu von grafischem Papier auf die Produktion von braunem Verpackungskarton evaluiert werden soll. Beide Pläne könnten bis Ende 2019 Realität werden. Damit könnten ab 2020 nochmals beachtliche Mengen holzfrei gestrichenes und mittelfeines Papier pro Jahr wegfallen.

Bedeutung Papier für Druckbranche

Papier ist der wichtigste Bedruckstoff für die Druckbranche. Als nachwachsender, recyclebarer und ökologisch nachhaltiger Rohstoff ist es aus unserer Produktionskette nicht wegzudenken. Selbst die Nebenprodukte, die bei der Papier- und Zelluloseherstellung entstehen, können heute im Sinne einer kreislauforientierten Bioökonomie weiterverwendet werden. So werden aus den Nebenprodukten der Zellstoff- und Papiererzeugung etwa der Kaugummizucker Xylit, Vanilin oder Bioessig hergestellt. Produktionsreststoffe ersetzen zudem fossile Bestandteile in Klebern, Lacken oder Beton. Und der letzte Rest, der nicht mehr weiterverarbeitet werden kann, dient immer noch als biogener Energieträger. Die Wiederverwertung in der Papierindustrie ist also vorbildlich.

 

Über den Verband Druck & Medientechnik

Der Verband Druck & Medientechnik besteht seit 1872. Er ist die einzige umfassend kompetente und unabhängige Unternehmensvertretung für die grafische Branche in Österreich. Der Verband vertritt mehr als 200 Unternehmen vom Kleinbetrieb bis zum internationalen Konzern. International ist er in der FESPA und Intergraf organisiert. Präsident ist Gerald Watzal, geschäftsführender Gesellschafter von Offset 5020 in Salzburg.

Über die INTERGRAF

INTERGRAF ist der Verband der Interessenvertretungen europäischer Landesverbände der Druckindustrie. Sie organisiert 22 Mitgliedsorganisationen in 20 europäischen Staaten durch Lobbying, Informationsveranstaltungen und Netzwerkarbeit. Generalsekretärin ist Beatrice Klose.

 

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