Professionsmix ist ein Innnovationstreiber

Peter Sommer (c) elanders

Die schwedische Elanders-Gruppe ist ein Vorreiter in der Druckbranche. Wir haben mit Peter Sommer, Vorstandsmitglied, über Innovationsgeist und die Inkjet-Technologie gesprochen.

Elanders gilt als Leuchtturm-Unternehmen, wenn es um Innovation geht. Was sind die Top-Innovationsprojekte, die Sie in den letzten Jahren initiiert und auch umgesetzt haben?

Da ist z. B. unser Angebot „print – sell – pay“ an Verlage, wo wir mit Digitialdruck und on-demand-Produktion das Verlagsrisiko minimieren. Die Druckkosten müssen erst gezahlt werden, wenn das Buch bereits verkauft ist. Auch mit „print in sequenze“ haben wir eine Antwort für bedarfsgerechten Druck, der höchste Termintreue und Qualität verlangt. Unser neuestes Projekt nennen wir „iPIC – integrated Packaging Innovation Center“. Grob erklärt funktioniert der Prozess wie folgt: Wir produzieren nicht nur die Verpackung und die Bedienungsanleitung für beispielsweise eine Webcam, sondern wir verpacken sie auch, liefern an den Retailer oder Webshop. D. h. wir integrieren den gesamten Prozess der Logistik und des Retourenmanagements. Plötzlich sind die Druckkosten für die Box und die Anleitung nur noch Nebensache.

Wie laufen Innovationsprozesse in Ihrem Unternehmen ab?

Auf jeden Fall mal nicht durch sogenannte Innovations-Workshops. Ich will mich ja nicht selber loben, aber die Geschäftsleitung sollte schon mal grundsätzlich auf innovativ gepolt sein. Und dann brauchen Sie natürlich ein kreatives und innovatives Team. Wie bekommt man das? Sicher nicht, wenn Sie nur Leute haben, die ihre Ausbildung, Studium und Berufsleben innerhalb der klassischen grafischen Industrie verbracht haben. Auch branchenfremde Professionisten wie Betriebswirtschaftler, IT-Experten, Künstler oder ein Philosoph können eine gute Ergänzung sein. Und die sogenannten Innovationsprozesse? Offene Türen, offenes Mindset – jede vermeintlich noch so schwachsinnige Idee muss diskutiert und durchdacht werden. Kaffee und Sonstiges soll auch schon geholfen haben. (lacht)

Wie fördern Sie Innovation bei Elanders?

Um an oben anzuknüpfen: Sie müssen natürlich erstmal ein entsprechendes Umfeld schaffen, um besagte Mitarbeiter überhaupt zu bekommen, denn das Image der Druckindustrie kann man nun mal nicht wirklich als sexy bezeichnen. Und wenn sie solche kreativen Köpfe dann haben, dann brauchen die natürlich „Futter“ in Form von geilen Projekten. Da darf’s nicht nur drum gehen, wie niedrig wir die Preise noch machen, um die Maschinen nächste Woche füllen zu können.

Kreative Köpfe brauchen geile Projekte.
Peter Sommer

Wenn Sie Ihre Innovationen in die Bereiche Technik / Prozesse / Kommunikation einteilen müssten, wie wäre dann die Verteilung?

40 % unserer Innovationskraft geht in Prozessinnovationen. Innovationen in den Bereichen Technik und Kommunikations-/ Beratungsprojekte liegen mit jeweils 30 % gleichverteilt.

Innovationen können auch einmal nicht den nachhaltig prognostizierten Erfolg bringen. Wie gehen Sie damit um?

Dann ziehe ich mich in mein Kämmerlein zurück und weine. Nein, im Ernst, so was kommt öfter vor, wie einem lieb ist. Das Ganze hat eben auch viel mit Try and Error zu tun. Wenn dann der Error-Fall eintritt, muss man es eben unter der Rubrik „Erfahrung“ verbuchen und weiter geht’s. Vor Misserfolgen fürchten darf man sich natürlich nicht, sonst wird’s nix mit den Innovationen.

Sie setzen bereits seit mehr als zwei Jahren auf die Inkjet-Technologie. Was sind Ihre Erfahrungen damit?

Wenn wir mal die klassischen Anlaufschwierigkeiten weglassen, dann ist Inkjet eine typische amerikanische Technologie. Roten Knopf drücken und es läuft. Und dann kommt es drauf an, wie qualitativ hochwertig Sie das Endergebnis haben möchten. Da sind kreative deutsche – und selbstverständlich österreichische – Fachkräfte sicherlich unendlich hilfreich. Der Amerikaner an sich ist ja schon mit deutlich niedrigerem Qualitätslevel zufrieden. Das geht in der DACH-Region natürlich überhaupt nicht, auch wenn ich manchmal den leisen Verdacht habe, dass wir gelegentlich zu Übertreibung neigen. Wie auch immer, der Krieg wird in der Weiterverarbeitung entschieden. Wenn ich da clever kombiniere, konstruiere und integriere, dann wird’s schon richtig spannend.

Inkjet braucht eigene Business-Modelle. Generell muss ich mir im Digitaldruck immer vorher sehr genau überlegen, welchen Geschäftsbereich ich wie abdecken möchte.
Peter Sommer

Für welche Projekte/Produkte finden Sie Inkjet besonders geeignet, für welche nicht?

Bücher und Kataloge (je dicker desto besser), möglichst in Farbe und in vielen Sprachen, denn je mehr Sprachen desto höher die Gesamtauflage. Aber natürlich auch bei nur einer Version Auflage bis ca. 2.000 Exemplare oder Mailings mit Individualisierung in Farbe. Und schließlich natürlich noch für Druckprodukte im Finanzsektor wie z. B. Kontoauszüge.

Inkjet funktioniert im Moment nicht bei High-End-Druckerzeugnissen mit höchster Auflösung und Sonderfarben. Aber Landa steht ja wohl in den Startlöchern und auch wenn’s Nanografie heißt, ist es doch ein Inkjet-Verfahren. Also die Drucke, die ich aktuell in Israel gesehen habe, sind qualitativ schon extrem vielversprechend. Wie groß der Markt für Nano mit dem avisierten Preismodell dann tatsächlich ist, bleibt abzuwarten.

Wie wird Inkjet die Branche verändern?

Die Digitalisierung wird rasant voranschreiten, Druckauflagen werden sich verkleinern und Inkjet mehr und mehr an Stellenwert gewinnen.

Wie schätzen Sie den Inkjet-Markt in drei bis fünf Jahren ein?

Ich wundere mich immer wieder, wie billig Offset-Druckprodukte sind, oder besser gesagt, wie billig sie verkauft werden. Auf jeden Fall darf man Offset nicht unterschätzen, oder gar beerdigen, denn qualitativ ist das einfach das Beste. Also jetzt wieder die alte Leier: Digitaldruck – und damit auch Inkjet – nur, wenn ich ein Business-Modell habe, das sich nur mit Digitaldruck realisieren lässt. Wenn ich mir nun die letzte Drupa vor Augen führe, dann gab es Inkjet-Technologie an jeder Ecke. Und wenn ich mir nun anschaue, wie viele Anlagen installiert sind und wie viele davon profitabel laufen, dann ist der Hype wohl noch nicht in der Realität gelandet. Hmmm…. schwierig.

 

Foto: Peter Sommer © Elanders

Die schwedische Elanders-Gruppe bietet integrierte Lösungen in den Bereichen Supply Chain Management, Print & Packaging sowie E-Commerce. Die Gruppe beschäftigt rd. 6.500 Mitarbeiter in 20 Ländern. Elanders Germany mit Standort in Waiblingen ist ein global operierendes Druckunternehmen mit den Bereichen Offset-Druck, buchbinderische Weiterverarbeitung und Verpackungsdruck sowie einer der führenden europäischen Digital-Druckdienstleister. Senator h.c. Peter Sommer ist Vorstandsmitglied und Präsident der Sparte Print & Packaging weltweit.

www.elanders.com

Wer mehr über die Erfahrungen der Elanders-Gruppe mit Inkjet hören möchte: Peter Sommer spricht im Rahmen der Inkjet-Konferenz in Wien über „Inkjet – wo sind die Märkte?“.