Präziser als eine Schweizer Taschenuhr

Maschinenbau (c) KBA

Wie ist es möglich, dass eine Druckmaschine so präzise sein kann? Was ist wesentlich für die Qualität und wie sieht die Zukunft des Druckprozesses aus? Sascha Fischer, Leiter Product Management der KBA-Sheetfed Solutions AG & Co. KG, spricht über das Schweben von Papier und vergleicht die Übergabegenauigkeit mit einer Stabübergabe im Staffellauf.

Sascha Fischer

Sascha Fischer © KBA

20.000 Bögen in einer Stunde, perfekter Druck. Wie schafft das eine Druckmaschine?

Es geht hier um Toleranzen, die im Tausendstel-Millimeter-Bereich liegen. Die sichtbaren Abweichungen sind kleiner als ein Haar, eine Druckmaschine arbeitet heute präziser als eine Schweizer Taschenuhr. Die Genauigkeit liegt einerseits im Ober- und Unterbau der Druckmaschine. Andererseits in den Motoren und Zahnrädern. Die Präzision, wie letztere ineinandergreifen und so dafür sorgen, dass das Papier durch die Maschine gelangt, liegt im Mikrometerbereich.

Unsere Maschinen sind Jahrzehnte im Einsatz.
Sasha Fischer

Was ist wesentlich für die Qualität einer Druckmaschine?

Zwei Punkte sind für die Qualität einer Druckmaschine wesentlich: Eine präzise und solide Verarbeitung – das ist die Kernkompetenz, und die Langlebigkeit – unsere Maschinen sind Jahrzehnte im Einsatz.

Wie stabilisieren Sie große Papierbögen während ihrer Reise durch die Druckmaschine?

Das Faszinierende beim Bewegen von Papier ist der Faktor Luft, der Bogen schwebt praktisch durch die Maschine. Er wird nur an einer Seite vom Greifer festgehalten. Es gibt einiges zu beachten, beispielsweise darf der Bogen nirgends anschlagen, wenn die Farbe noch nass ist. Von einem Druckwerk zum anderen wird er zwischen den Greifersystemen übergeben. Die Übergabe muss exakt durchgeführt werden, wie die Stabübergabe in einem Staffellauf.

Wie kann man die Qualität noch verbessern?

In der Druckmaschine gibt es hierfür mehrere Möglichkeiten: Schmuck- und Sonderfarben, verschiedene Sorten von Lack oder Kaltfolie, um Metallic-Effekte zu erzeugen. Prozesse der Weiterverarbeitung – etwa Prägen oder Stanzen – können inline rotativ integriert werden.

Kein System kann den Menschen ersetzen.
Sascha Fischer

Wie sieht der Druckprozess im Jahr 2020 aus?

Die Themen der Zukunft in der Branche sind autonomes Drucken und die Integration der Prozesse, also Industrie 4.0. Auf der einen Seite geht es darum, arbeitsintensive Prozesse zu ersetzen, wie Papiertransport, Stapeln und Walzen tauschen. Auf der anderen Seite gilt es die Komplexität des Druckprozesses zu unterstützen, also das Zusammenspiel von Farbe, Wasser und Papier. Hier sollten Assistenzsysteme dem Drucker beistehen. Jedoch: Kein System, mag es noch so intelligent sein, wird den Menschen im Druckprozess ersetzen.

Sascha Fischer ist Diplom-Kaufmann und Leiter Product Management – Key Account Management der KBA-Sheetfed Solutions AG & Co. KG.

Bild: Zahnräder © KBA