Papierrecycling ist Hightech

Altpapier (c) INGEDE

Recyclingpapier wird ganz selbstverständlich genutzt, doch selten macht man sich Gedanken über die Prozesse, die aus Altpapier neues Papier machen. Im Zentrum steht dabei das Deinking. Wir haben zum Stand der Technik beim Deinken mit Axel Fischer von der INGEDE gesprochen.

Wozu dient das Deinking?

Deinking ist der Schlüsselprozess beim Papierrecycling. Es handelt sich hier um das Entfernen der Druckfarbe, das notwendig ist, um wiederum helles Papier aus Altpapier herstellen zu können. Ohne Deinking wird das recycelte Papier zu dunkel und kann für die Herstellung von Zeitungen und Zeitschriften nicht verwendet werden.

Wie wird das Deinking heute durchgeführt?

Der Inhalt der Papiertonnen wird sortiert, Verschmutzungen werden entfernt, weißes und braunes Papier wird getrennt. Dann wird das Altpapier in einem riesigen Bottich aufgelöst, es kommt sehr viel Wasser dazu, etwas Natronlauge und Seife. Dadurch wird die Farbe von den Fasern getrennt und kann entfernt werden. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Farbe wasserabweisend ist und die Farbpartikel nicht zu klein oder zu groß sind. Der Charme des Prozesses ist die Einfachheit, deshalb kann er großtechnisch wirtschaftlich durchgeführt werden.

Gelingt das Deinking bei allen heute verwendeten Farben?

Das Deinken funktioniert gut mit Trockentoner, Offset-Druck und Tiefdruck. Pigmentpartikel aus Inkjet funktionieren aber oft nicht, auch wasserlösliche Farbe ist negativ für den Prozess – die ist wie eine rote Socke in der Wäsche und färbt die gesamten Fasern ein. Ein Problem sind auch Drucke, die mit LE-UV veredelt wurden. Diese gehören eigentlich gar nicht in das Altpapier, sondern müssten über den Restmüll entsorgt werden. Den Unterschied kann ein Verbraucher aber nicht erkennen. Papierfabriken arbeiten beim Deinken mit geschlossenen Wasserkreisläufen. Aus diesem Grund werden für umweltbewusste Druckproduktionen Verfahren bevorzugt, die deinkbar sind. Österreich ist ja Pionier auf dem Gebiet; das österreichische Umweltzeichen war das erste weltweit, das hier die Deinkbarkeit als Bedingung hatte.

Was bedeutet das für Druckverfahren, die nicht deinkbar sind, wie eben den LE-UV-Druck?

Wir sind in Europa auf einem extrem hohen Niveau, was die Wiederverwendung von Papier betrifft, fast 72 % gehen wieder in den Kreislauf ein. Nachhaltigkeit ist deshalb einer der strategischen Wettbewerbsvorteile des Gedruckten. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht mit bestimmten Druckverfahren dem gesamten Image der Druckbranche schaden, weil diese Produkte nicht mehr zu recyceln sind.

Wie wird man in 20 Jahren recyceln?

Das Deinken mit Enzymen könnte ein Zukunftsthema sein, auch mit Ultraschallverfahren wird experimentiert. Die Hauptaufgabe ist dann immer der Transfer vom Labor auf die industrielle Ebene mit vielen tausend Tonnen pro Tag. Und bei der Ausbeute kommt es auf jedes Prozent an.

Stichwort „Schwierigkeiten beim Deinken von Digitaldruck“: Wo kann man Sie hier noch überraschen?

Digitaldruck ist nicht gleich Digitaldruck. Viele Verfahren sind ja heute deinkbar. Und die neu entwickelten Verfahren sind immer wieder für Überraschungen gut. Vor Kurzem haben wir UV-gehärtete Inkjet-Drucke getestet, die hervorragend deinkbar waren. Wir sehen es als Erfolg der Bemühungen der INGEDE an, dass sich die Hersteller von Druckmaschinen intensiv mit dem Thema Deinking auseinandersetzen, so dass auch in Zukunft Papier erfolgreich für Druckpapier recycelt werden kann.

 

Foto: Wiederverwertung von Papier: Fast 72 % gehen wieder in den Kreislauf ein. © Ingede

Hinter der INGEDE stecken alle namhaften Papierhersteller, die aus Altpapier neues helles Druckpapier machen. Es geht um Zeitungsdruck, Magazinpapier, Büropapier und auch Hygienepapier. Vor rund 25 Jahren haben sich die Papierfabriken zusammengetan und die INGEDE als eigenes Sprachrohr für das Deinken gegründet. Zu Beginn lag der Schwerpunkt noch sehr stark bei der Forschung, heute ist die INGEDE mehr mit Information und Kommunikation beschäftigt.

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