Normierung versus Exklusivität

Buchexperten finden es gerade eine sehr spannende Zeit. Themen wie Nachhaltigkeit, Books on Demand und das Zusammenspiel von Inhalt und Aufmachung bringen aktuell neuen Wind in die Branche. Wir haben für Sie einige Trends zusammengestellt. 

Viele Verlage setzen aus Kostengründen auf Normierung bei Papier und Cover. Gerade noch die Grafik hebt sich ab. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite verlangen Verlage, Künstler und Kunden nach dem Besonderen, wie Günter Bucher vom Verlag Bucher berichtet. Die Aufmachung des Buches muss zum Inhalt passen. Dann kommt ein Thriller schon mal mit schwarzem Farbschnitt daher und das Cover wird mit metallisierendem Lack zum Hingucker. 

Wahl des richtigen Druckverfahrens 

Gutenberg hat es leicht gehabt, denn zu seiner Zeit gab es nur ein Druckverfahren für den Druck von Büchern: den sogenannten Buchdruck mit beweglichen Lettern. Heutzutage ist es jedoch weitaus komplexer, für einen Auftrag das richtige Verfahren, Veredelung und Ausführung zu identifizieren, weiß Christian Dolezal, Buchexperte bei Grasl FairPrint. „Nachdem wir wissen, welcher Inhalt ein Buch hat, welches Papier dazu passt, für welche Zielgruppe das Werk konzipiert wurde und wie das Ergebnis wirken soll, fällt die Entscheidung für das Druckverfahren. Hier ist viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt.“ 

Buch ist nachhaltig 

Viele österreichische Druckereien setzen bei der Produktion von Büchern auf nachhaltige Rohstoffe: Farben basieren auf pflanzlichen Rohstoffen, Papier kommt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Aber nicht nur die verwendeten Materialien sind nachhaltig, sondern auch die Botschaft, die man transportieren möchte. Das Buch über die aktuelle Ausstellung im Museum kann man auch dann noch zur Hand nehmen, wenn die Ausstellung schon längst wieder weitergezogen ist. 

Im Sinne der nachhaltigen Buchproduktion geht es laut Christian Theiss von Buch. Bücher. Theiss auch immer öfter in Richtung Papiereinbänden bei Hardcovers: „Rohes, sogenanntes offenes Papier, mit einer Stärke ab 130 g wird nun oftmals direkt bedruckt oder auch geprägt. Auf Cellophan wird dabei verzichtet. Damit es zu keinem Abfärben kommt, wird das Rohpapier oftmals mit seidenmattem Lack überzogen.“ 

Buch ohne Plastik 

Die Diskussion der Plastikmüllvermeidung ist auch im Verlagswesen bzw. Buchhandel angekommen. Die große Frage derzeit ist: Was kann man tun, um einerseits die Beschmutzung des Buches zu verhindern und andererseits auf das Einschweißen zu verzichten? Ein Patentrezept gibt es derzeit noch nicht. Einige Verlage verzichten bei der Direktlieferung an Großkunden bereits auf die Plastikverpackung und setzen stattdessen auf recyclingbares Packpapier und Kartons. Andere versuchen das Innenleben des Buches mit Etiketten vor Schmutz zu schützen. Benedikt Föger, Präsident des Hauptverband des Österreichischen Buchhandels, liefert auch eine interessante Zahl zu dieser Diskussion: „Der Verzicht auf die Plastikeinschweißfolie bei Büchern ist eine Maßnahme, der sich immer mehr Verlage in Österreich anschließen. Wir haben bei einer Menge von je 100.000 Büchern berechnet, dass man damit eine Einsparung von fast einer halben Tonne Plastikfolie pro Jahr erzielen kann.“ 

Books/Print on Demand 

Verlage wissen oft nicht, wird das neue Buch zum Renner oder sogar Bestseller? Auch die Lagerhaltung und die damit verbundenen Kosten sind mit ein Grund, warum immer mehr Bücher „on Demand“ produziert werden. Funktionieren wird das Modell „Print on Demand“ jedoch nur, wenn die neue Auflage in gleicher Qualität und kurzfristig verfügbar ist, d.h. die Prozesse beim Druck und in der Beschaffung müssen in diese Richtung ausgerichtet und die Logistik demnach angepasst werden. Daher entstehen derzeit gerade in Zusammenarbeit von Verlegern und Druckereien neue Geschäftsmodelle. 

Buchbindekunst wieder im Rennen 

Christine Weiner, Geschäftsführerin der Buchbinderei bookends und Obfrau des Berufszweigs Buchbinder der WKO, bemerkt seit ein paar Jahren wieder einen Trend in Richtung Handwerk und Kreativität, der auch die Buchbindekunst miteinschließt: „Nach der Krise 2008 wurden sich viele wieder ihres zu Hauses bewusst. Privatkunden kamen auf einmal zu uns, um ihre Privatbibliothek wieder in Schuss zu bringen. In den letzten Jahren steigt die Nachfrage nach Buchbindekursen. Besonders ältere Jugendliche verspüren immer öfter den Wunsch, ihre Freizeit nicht nur vor dem Bildschirm, sondern mit Kreativität und „Handarbeit“ zu verbringen.“ Auch für Geschäftskunden rückt die Buchbindekunst wieder in den Vordergrund, wenn man abseits der uniformen Massenware produzieren möchte. Durch spezielle Wünsche von Künstlern/Buchgestaltern werden manch große Auflagen per Hand „verfeinert“ und geben daher auch maschinell gefertigten Büchern das gewisse Extra. 

Foto © pixabay

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