Noch Luft nach oben

Die österreichische Markenartikelindustrie sieht Print als Teil des Marketing-Mix und Verpackung als Schutz des Inhaltes, aber auch als wichtigen Werbebotschafter des Produktes. Die neuen Möglichkeiten der Personalisierung werden bisher nur von ganz wenigen Branchenvertretern eingesetzt. Warum berichtet uns Günter Thumser, Geschäftsführer des Markenartikelverbandes.

Wie steht die österreichische Markenartikelindustrie generell zu Print? Wo und wie wird Print eingesetzt?

Print ist ein aktiver Teil des Media-Mix und wird dort eingesetzt, wo längere Aufmerksamkeit erreicht werden soll, z. B. als Ergänzung von above-the-line oder auch Social-Media-Kommunikation, wo Print ergänzende, längere Informationen liefert.

Was macht eine gute Verpackung aus, und damit einhergehend, was muss eine Verpackung im Regal können, damit sie auffällt und zu einem Kauf führt?

In erster Linie soll die Verpackung funktionell sein, sie muss dem Produkt Schutz bieten und in der Anwendung zu Hause praktisch sein. Ein wichtiger Aspekt ist auch noch das Thema Sicherheit, z. B. Kinderschutz­sicherung bei Waschmitteln. In zweiter Linie soll die Verpackung Aufmerksamkeit erwecken und die Marke stärken. Verpackung kann auch die Wertigkeit des Produktes heben und ist ein Differenzierungsmerkmal gegenüber dem Mitbewerb. Auch der Umweltaspekt und die Wiederverwertbarkeit müssen bei der Entwicklung der Verpackung mitbedacht werden.

Ist die individualisierte und personalisierte Verpackung und Werbung (z. B. mittels Mailings, Katalogen, Kundenmagazinen) in der österreichischen Markenartikel­industrie noch Zukunftsmusik oder bereits im realen Leben angekommen?

Einzelne große Marken setzen bei ihrem Auftritt bereits auf Individualisierung. Man denke nur an Getränke oder Süßwaren, die mit dem eigenen Vornamen gebrandet sind. Generell passiert Individualisierung in der Branche aber eher in Hinsicht auf den Handelskanal und nicht für den Endkonsumenten. Denn dafür sind die Kosten zu hoch und die Skalierungseffekte zu gering. Bei der Verpackung kommt es jedoch schon vor, dass Hochleistungsanlagen mit eigenen Etikettier-Vorrichtungen versehen werden, um in Kleinserie mutierte Etiketten anzubringen.

Was wünschen sich die Marken Österreichs bei der Individualisierung und Personalisierung für eine Unterstützung von österreichischen Druckern?

Wir wünschen uns, dass auch Kleinstauflagen zu vernünftigen Preisen produziert werden können. Wichtig wären auch Informationen, die uns auf neue Technologien aufmerksam machen und uns helfen, das Produkterlebnis beim Kunden zu verbessern.

Blicken wir ein paar Jahre in die Zukunft: Wie schaut die Marketingstrategie Ihrer Branche aus?

Produktinnovationen sind ein ganz klares Ziel. In der Kommunikation werden wir verstärkt auf die Verknüpfung von digital & mobil setzen und regionale Bedürfnisse ansprechen. Das Thema „big data“ sehen wir als Chance, um die Daten unserer Kunden noch besser nutzen zu können. Weiters gibt es ein klares Bekenntnis zu Recycling und Kreislaufwirtschaft.

// Über den MAV

Der Österreichische Verband der Markenartikelindustrie ist die Vertretung der Markenartikelerzeuger in Österreich und sieht sich als Verbündeter der Konsumenten. Mitglied sind etwa 100 Unternehmen. Seit November 2017 ist Mag. Günter Thumser Geschäftsführer, davor war er viele Jahre Präsident von
Henkel CEE & Europe.

www.mav.at

 

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