Nicht nur Altruisten veranstalten Green Events

Die Eventindustrie ist hinsichtlich ihrer Wertschöpfung einer der größten Industriesektoren und sowohl als Wirtschaftsfaktor als auch vom ökologischen Fußabdruck her von zentraler Bedeutung. Das Green Events Austria-Netzwerk setzt sich dafür ein, dass österreichische Events „grüner“ werden. Wolfram Tertschnig ist der Experte dahinter, der das Thema sowohl national als auch international treibt und uns Antworten auf unsere Fragen gab.

Dr. Wolfram Tertschnig © BMLFW

Dr. Wolfram Tertschnig © BMLFUW

Herr Tertschnig, was macht einen Event zum Green Event?

Green Events verringern Umweltbelastungen, stärken die regionale Wertschöpfung, setzen soziale Akzente. Im ökologischen Bereich geht es dabei etwa um klimaschonende Mobilität, um Abfallreduktion durch Mehrweggebinde und -geschirr, um saisonale, regionale und biologisch bzw. „fair“ produzierte Lebensmittel. Das Gute daran ist, dass es für die Organisation eines Green Events in der Regel keine großen Wissensbarrieren gibt, sondern viel mit Hausverstand umgesetzt werden kann.

Was waren neben dem Eurovision Songcontest 2015 die größten Events, die als Green Event abgewickelt wurden? Und was sind die Herausforderungen, solche Megaevents nachhaltig zu veranstalten?

Das war z. B. die EURO 2008, wo es den klaren politischen Auftrag gab, diesen Event so umweltfreundlich wie nur möglich zu veranstalten. Wir haben zwei Jahre in der Konzeption mitgearbeitet, die UEFA und alle Stadionbetreiber mit an Bord geholt, mit einem Nachhaltigkeitsbericht die Erfolge dokumentiert. Großevents haben eine sehr komplexe Logistik – hier muss man den „grünen“ Gedanken von Anfang an systematisch in der Event-Wertschöpfungskette mitdenken, Sponsoren überzeugen, entsprechende Planungsphasen einkalkulieren. Dafür gibt es aber eine Vielzahl effektiver Tools, Qualitätssicherungssysteme und Standards.

Green Events sind keine Geheimwissenschaft.
Wolfram Tertschnig

Sind Green Events teuer?

Nein! Green Events rechnen sich vielfach allein deshalb, weil Energie- und Abfallkosten gesenkt werden können, oder durch den Bezug von regionalen Produkten und Dienstleistern die Wertschöpfung in der Region gestärkt wird. Damit ist der etwaige Mehraufwand auch gut vertretbar. Einen Aspekt sollte man auch nicht außer Acht lassen: Die Nachfrage nach Green Events und „grünen“ Produkten senkt die Stückkosten und führt letztendlich zu günstigeren Einkaufspreisen. Und noch eines: Green Events sind wichtige imagebildende Maßnahmen, die helfen, die Reputation des Unternehmens positiv zu stärken.

Was macht der Staat, damit Green Events die Regel, nicht die Ausnahme sind?

Hier gibt es viele Ansätze: Einerseits sind wir häufig selbst Eventveranstalter und sollten hier als Vorbild agieren, andererseits können wir bei der Vergabe von Fördermitteln lenken. Auch die Aus- und  Weiterbildung der Verantwortlichen hat Hebelwirkung: Wir haben im Vorfeld der nächstjährigen EU-Präsidentschaft bereits Dutzende Mitarbeiter von Ministerien geschult, damit die dazugehörigen Veranstaltungen auch als Green Events über die Bühne gehen.

Öffentliche Hand soll Vorbild sein.
Wolfram Tertschnig

Können Sie uns eine Infoseite empfehlen, wo man sich über das Thema schlau machen kann?

Unser Portal infothek.greenevents.at ist das one-top-shop für „Green Events“ und listet alle wesentlichen Informationen, Ansprechpartner, Toolkits, ein Anbieterverzeichnis aller wesentlichen Produkte und Dienstleistungen und vieles mehr.

infothek.greenevents.at

Dr. Wolfram Tertschnig leitet seit vielen Jahren die Nachhaltigkeitsabteilung im BMLFUW.

Foto: © BMLFUW

Green Events Austria ist eine europaweit einzigartige Erfolgsgeschichte. Die Initiative wurde 2006 im Rahmen der zweiten EU-Ratspräsidentschaft vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) gemeinsam mit dem Österreichischen Ökologie-Institut gegründet. Seitdem setzt das Ministerium mit den Bundesländern und einem Partnernetzwerk aus Wirtschaft, Sport und Kultur Standards und nachhaltige Impulse für das „Greening“ im Veranstaltungssektor: in den Bereichen Mobilität und Klimaschutz, Abfallvermeidung, Catering, Ticketing, Eventlocation und -technik, Beschaffung, und soziale Verantwortung.