Mehr als kurzfristige Maßnahmen

respACT ist DIE österreichische Plattform, wenn es um das Thema CSR geht. Wir haben die Geschäftsführerin, Daniela Knieling, gebeten, uns von ihrer Expertise profitieren zu lassen.

Daniela Knieling © respACT

Daniela Knieling © respACT

respACT gibt es nun schon seit mehr als 15 Jahren. Welchen Stellenwert hat verantwortliches Wirtschaften heutzutage in Österreich, und wie hat sich der CSR-Gedanke in den letzten 15 Jahren verändert?

Verantwortungsvolles Wirtschaften rückt bei österreichischen Unternehmen stärker denn je in den Fokus. Dies ist nicht zuletzt auch durch die Rahmenbedingungen in internationalen Wertschöpfungsketten oder die Nachfrage von Konsumenten der Fall. Das österreichische Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) sowie Initiativen des BMLFUW zur „Freiwilligen Vereinbarung zur Qualitätssicherung in der Nachhaltigkeitsberichterstattung“ tragen dazu bei. Wir können diesen Trend auch an der stetig steigenden Mitgliederzahl von respACT oder an den zahlreichen Einreichungen beim österreichischen CSR-Preis TRIGOS ablesen.

Wie schneidet Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern beim CSR-Management ab?

Die Professionalisierung von CSR- und Nachhaltigkeitsmanagement schreitet international sehr rasch voran und viele Unternehmen können dadurch das hohe Innovationspotential, das in CSR innewohnt, ausschöpfen. Die Komplexität von Lieferketten, Anforderungen durch internationale CSR-Standards, Sozial- und Umweltrisiken oder die zunehmend heterogenen Ansprüche und Interessen unterschiedlicher Stakeholder verlangen zukünftig aber auch von österreichischen Betrieben nach mehr Struktur und systematischer Herangehensweise. Dem müssen auch österreichische Unternehmen zukünftig verstärkt Rechnung tragen; unsere Mitglieder nehmen hier innerhalb der österreichischen Wirtschaft eine Vorreiterrolle ein.

Welche Trends gibt es im Bereich CSR, wohin geht die Reise?

Die globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDGs), haben jetzt und in Zukunft einen besonderen Stellenwert. Im Jahr 2015 von allen 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen beschlossen, geben diese 17 globalen Ziele eine klare Richtung vor. Die 169 Sub-Ziele machen die größten Herausforderungen unserer Zeit wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, Ungleichheit, Armut u. v. m. zu einer Fülle von Möglichkeiten. Der positive Beitrag der österreichischen Wirtschaft spielt dabei eine wesentliche Rolle. Zusätzlich wird uns der Themenbereich Nachhaltigkeit und  Digitalisierung in den kommenden Jahren sehr beschäftigen.

CSR eröffnet Wettbewerbsvorteile.
Daniela Knieling

Sind CSR-affine Unternehmen erfolgreicher als Unternehmen, die keinen Wert auf nachhaltiges Wirtschaften legen?

Auf jeden Fall! Doch kommt es stark auf das richtige Verständnis von CSR und dem damit verbundenen Know-How an. CSR bezieht sich nicht auf kurzfristige Aktionen oder Events. Unternehmen profitieren ungemein von einer strukturierten auf internationalen Rahmenwerken basierenden Herangehensweise. Eine langfristige strategische Einbindung gesellschaftlicher und ökologischer Themen erweitert unternehmerische Perspektiven ungemein und eröffnet Wettbewerbsvorteile: Studien belegen, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter und damit Motivation und Produktivität steigen, sowie die Beziehungen zu den Lieferanten gestärkt und zu den Kunden vertieft werden. Ebenso können zahlreiche Effizienz- und Synergieeffekte sowie Innovationen entstehen. Außerdem achten private und institutionelle Investoren zunehmend auf nachhaltigkeitsbezogene Indikatoren. Neben diesen Wettbewerbsvorteilen schaffen verantwortungsvolle Unternehmen einen Mehrwert für die gesamte Gesellschaft und tragen zu einer nachhaltigen Entwicklung bei.

Fordern die Kunden von heute nachhaltiges Wirtschaften ein?

Nicht nur für Kunden, sondern auch für Mitarbeiter oder Geschäftspartner etc. ist ein verantwortungsvolles Agieren immer bedeutsamer. Das Bewusstsein für nachhaltige Produkte und das kritische Hinterfragen von unternehmerischen Aktivitäten steigt gesamtgesellschaftlich. Es gibt zunehmend Unternehmen, die sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich Wert darauf legen, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten ernsthaft darzustellen, und von dem so aufgebauten Vertrauen profitieren. Viele der zuletzt unter Beschuss geratenen internationalen Textilketten haben unter dem Druck der Öffentlichkeit Maßnahmen innerhalb ihrer Lieferketten gesetzt, um so das Vertrauen der Konsumenten wieder zu erlangen.

Wie funktioniert CSR besser: top-down oder bottom-up?

Das Bekenntnis zu verantwortungsvollem Handeln in allen unternehmerischen Belangen kann nur und muss daher von der obersten Unternehmensführungsebene kommen. Werte und Handlungsprinzipien sowie die Umsetzung betreffen alle Hierarchieebenen gleichermaßen.

Wird nachhaltiges Wirtschaften in Österreich gefördert?

Auf politischer Ebene kann man hier das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) nennen. Dieses gilt seit Dezember 2017 und besagt, dass große Unternehmen von öffentlichem Interesse über nicht finanzielle Informationen (Umweltbelange, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte, Korruption und Bestechung sowie Diversität) in Österreich Bericht erstatten müssen. Als Stimme verantwortungsvoll wirtschaftender Unternehmen fordern wir aber mehr: Es braucht eine aktive Politik für eine nachhaltige Wirtschaft und die Förderung gesellschaftlich verantwortungsvoller Unternehmen!

Sie zeichnen mit dem TRIGOS jedes Jahr Unternehmen aus, die nachhaltig und sozial agieren. Welche Voraussetzungen zur Teilnahme muss ein Unternehmen mitbringen?

Der TRIGOS befindet sich gerade in einer Weiterentwicklungsphase und wird ab 2018 seinen Fokus neben anderen Neuerungen stärker auf Haltung, Werte und Motivation legen. Weitere Voraussetzungen sind, dass die eingereichten Aktivitäten bzw. Maßnahmen zumindest im Jahr davor gestartet wurden und Maßnahmen sowohl von österreichischen als auch von ausländischen Standorten des Unternehmens umgesetzt werden/worden sind, wenn in letzterem Fall die Initiative von Österreich ausging. Zusätzlich können Aktivitäten, wenn sie wesentlich weiterentwickelt wurden, in Folgejahren wieder eingereicht werden.

Zu den Webseiten:

Foto: Blatt © pixabay

Die führende Plattform verantwortungsvoll wirtschaftender Unternehmen Österreichs bietet Information und fördert den Austausch zwischen Unternehmen, Politik und NGOs. Der TRIGOS ist Österreichs Auszeichnung für verantwortungsvolles Wirtschaften und wird auf nationaler sowie regionaler Ebene verliehen.

1. Konzentrieren Sie sich auf jene Prozesse, die große Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft haben.

2. Versuchen Sie, die Erwartungen Ihrer Interessensgruppen zu verstehen und zu erfüllen und holen Sie Feedback ein.

3. Wählen Sie jene Themen, die Ihnen und Ihren Stakeholdern am Herzen liegen, und stellen Sie eine klare Verbindung zu Ihrem Kerngeschäft her.

4. Nutzen Sie die Unterstützung, die Ihnen internationale Leitlinien bieten können.

5. Integrieren Sie die nötigen Maßnahmen in laufende Prozesse, sodass sie als Teil des Geschäftsalltags verstanden werden.

6. Binden Sie Ihre Mitarbeiter ein und kommunizieren Sie auch nach außen transparent und wahrheitsgemäß.

7. Überprüfen Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen regelmäßig.

respACT begleitet und unterstützt neue Mitglieder bei jedem dieser Schritte durch Information, Vernetzung und Austausch.