Kuvert & Mailing: Nicht mehr nur Mittel zum Zweck

Beitragsbild Kuvert & Mailing, Nicht mehr nur Mittel zum Zweck, c ÖKI

Kuvert & Mailing: Nicht mehr nur Mittel zum Zweck

Bedürfnisse der Kunden können so unterschiedlich sein, wie Tag und Nacht. Das Kuvert, ein Gegenstand, den viele von uns fast täglich in Händen halten. So normal, so alltäglich. Ist es nur Mittel zum Zweck oder versteckt sich doch mehr dahinter? Der Verband Druck & Medientechnik hat zwei Experten zum Doppelinterview gebeten.

Individualität beim Kuvert – ist das überhaupt relevant?

Patrick Grafl: Sie ist definitiv wichtig und auch stark auftragsabhängig. Um den Bedürfnissen und Anwendungszwecken des Kunden gerecht zu werden, erarbeiten wir gemeinsam Lösungen. Gerade im Dialogmarketing ist Individualität eines der wichtigsten Themen und absolut relevant. Das ist auch unser Steckenpferd und wir haben diesbezüglich aufgerüstet. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Hinsichtlich der Menge ist der Markt für die Kuvertindustrie rückläufig, andererseits geht der Trend immer mehr in Richtung Individualisierung und Personalisierung. In den letzten zwei bis drei Jahren ist es uns gelungen, uns gut zu positionieren: Mit entsprechendem Image, Flexibilität und Qualität in der Fertigung können wir den Trend gut bedienen. Gerade die fehlenden Mengen müssen mit Individualproduktion entsprechend kompensiert werden.

Nehmen Kunden das Kuvert noch wahr?

Grafl: Es ist wichtig zu fragen, wie stark der Endkunde mit der gewählten Lösung abgeholt werden kann. Tatsache ist, dass auch ein einfaches Kuvert eine entsprechende Response-Rate erzielt, es hat behördlichen Charakter. Der Fokus muss daraufgelegt werden, was wie und mit welchen Mitteln erreicht werden soll. Von Seiten des Marktes bringt das Kuvert nach wie vor hohe Aufmerksamkeit. Im Vergleich zu Online-Mailings, werfe ich auf ein postalisches Mailing möglicherweise auch später noch einen Blick.

Christoph Winkler: Durchaus. Wir führen in unserem Unternehmen viele Direct Mailings durch und beraten unsere Kunden dahingehend, die Wahrnehmung beim Endkunden zu erhöhen. Kreative Gestaltungsmöglichkeiten, wie der Druck des Freimachungsvermerks mit angedeuteter Briefmarke, werden gerne in Auftrag gegeben. Kunden nehmen auch einen teuren Postversand in Kauf, und lassen echte Briefmarken von Hand auf das Kuvert kleben, da hier die Response-Rate deutlich höher ist.

 

„Die Individualität beim Kuvert entsteht durch den Druck.“

Christoph Winkler, Geschäftsführer Winkler Kuvert

 

Sortiment Winkler Kuvert, c Winkler

Welche Trends setzen sich beim Kuvert durch?

Winkler: Der wirkliche Trend ist die umweltfreundliche Erzeugung, ein Großteil der Produkte wird bereits klimaneutral produziert. Ein Produkt, welches seinen Zenit weit überschritten hat, ist das Kuvert mit Latexverschluss: aufwendig im Druck, teuer in der Produktion, schwierig in der Lagerung. Nach einem Jahr war das Verkleben der Lasche nicht mehr möglich. Heutzutage werden 90 % der Kuverts mit Nassklebung oder Abziehstreifen verwendet. Das Transparentkuvert, Self Mailer oder Kuvertformate abseits der gängigen Größen sind zudem wieder rückläufig. Sehr beliebt sind bedruckte Kuverts. Ob einfacher Logoaufdruck oder eingefärbte Kuvertlasche mit Negativschrift – alles dient der Erhöhung der Customer Awareness.

Grafl: Der Trend geht eindeutig in Richtung digitale Drucktechnik und Personalisierung. Es wird immer wichtiger, auch jüngere Zielgruppen abzuholen. Jungen Leuten geht es um Top-Qualität und um personalisierte Produkte. Auch der Nachhaltigkeitstrend setzt sich fort. Recyclebare Kuverts, wie z. B. das Pergamin Kuvert oder Werbefensterkuverts mit Maisstärkefolie, werden sehr gut angenommen. Gerade im Dialogmarketing bestehen die Endkunden immer mehr auf Zertifikate.

Welche Anforderungen werden vom Kunden an das Kuvert gestellt?

Winkler: Es soll vor allem den Inhalt schützen. Kunden wünschen Formstabilität (Grammatur), eine gute Verklebung (in Hinblick auf Datenschutz) und einen unproblematischen Kuvertschnitt für die Weiterverarbeitung. Weitere Kriterien sind der Weißegrad und die unterschiedlichen haptischen Eigenschaften. Die Qualität des Kuverts ist sichtbar als auch spürbar. Kleinigkeiten können den großen Unterschied machen. Bei den bedruckten Kuverts liegt das Hauptaugenmerk auf der immer gleichbleibenden Druckqualität als auch auf der Farbtreue. Die Vorgaben des kundenspezifischen CI müssen unbedingt erfüllt werden.

„Kuverts erzielen nach wie vor starke Aufmerksamkeit.“
Patrick Grafl, Geschäftsführer ÖKI

Können Kuverts beim Direct Mailing wesentlich unterstützen?

Winkler: Wenn eine Postsendung beim Endkunden ankommt, vermittelt das Kuvert bereits einen ersten Eindruck. Dieser kann Aufmerksamkeit und Vorfreude wecken. Natürlich kann der Werbeerfolg eines Mailings dadurch maßgeblich beeinflusst werden. Aber nicht zu viel des Guten, Überladung wirkt oftmals unprofessionell. Individuelle Gestaltung unterstützt dabei, um auf den ersten Blick auf Inhalte hinzuweisen und Neugierde zu schaffen. Ich vergleiche das Kuvert gerne mit einer Geschenkverpackung: Das wichtigste bei einem Geschenk ist der Inhalt. Die Verpackung kann das Geschenk aufwerten und rundet ein Mailing ab. Der Wehrmutstropfen: Die Verpackung wird oft weggeworfen.

Grafl: Direct Mailing bedeutet, bewusst individualisieren und personalisieren. Die Sendung für eine bestimmte Zielgruppe zielt auf maximale Response und Aufmerksamkeit ab. Das gelingt, je besser das Produkt an die Adressaten angepasst wird. Es geht nicht mehr nur darum, den Inhalt zu schützen. Viel wichtiger ist die Wertschätzung dem Kunden gegenüber. Qualität und Aufmachung sollen punkten, dementsprechend lässt sich auch ein qualitativ hochwertiger Inhalt erwarten. Wir forcieren das auch im Vertrieb. Das ist das wichtigste, der direkte Kontakt mit dem Kunden und direkte Zusammenarbeit. Dies ist unsere Hauptaufgabe im Tagesgeschäft.

Über Winkler Kuvert

Die Grazer Full-Service-Druckerei Winkler Kuvert GmbH feiert demnächst ihr 70jähriges Bestehen. Egal ob Briefpapier, Visitenkarte, Kuverts, Plakate, Flyer, Direct Mailings oder auch Lettershop – der Kunde findet hier alles aus einer Hand. Nach langjähriger Leitung der Produktion hat Christoph Winkler die Geschäftsführung mit Anfang des Jahres übernommen.

Über ÖKI

Die Wurzeln der Österreichischen Kuvertindustrie GmbH liegen im Jahr 1857. 1989 entstand die Österreichische Kuvertindustrie. Pro Jahr werden rd. 700 Mio. Kuverts und Versandtaschen in Hirm/Burgenland gefertigt. Patrick Grafl ist seit 2018 Geschäftsführer.

Foto © ÖKI; Winkler