Kleinserien und Prototypen

Die Druckerei Gradwohl produziert Displays und Verpackungen für den Einzelhandel und setzt dabei – je nach Anforderung –  die unterschiedlichsten Druckverfahren ein. Inkjet nutzt die Druckerei bereits seit 10 Jahren. Rainer Gradwohl würde heute die gleiche Entscheidung treffen, wenn auch nicht alle Erwartungen eingetreten sind. Die Technologie alleine führt jedenfalls noch lange nicht zum Erfolg.

Herr Gradwohl, wann und warum sind Sie in den industriellen Inkjet-Druck eingestiegen?

Wir waren bei den ersten dabei und ­drucken bereits seit mehr als zehn Jahren mit Inkjet. Ein ganz wichtiger Einsatzzweck war von Anfang an der Druck von vielen Kleinserien und Prototypen auf Papier, Pappe, Kunststoff oder Metall für die Ausstattung von Einzelhandelsfilialen. Dafür ist Inkjet optimal und daher bei fast jedem Auftrag im Maschinenmix mit dabei. Darüber hinaus setzen wir je nach Auftrag einen Mix aus Tampon-, Flexo-, Sieb-, Offset- oder eben Inkjet-Druck ein.

Würden Sie diesen Schritt mit dem heutigen Wissen wiederholen?

Ja, obwohl eine unserer früheren Annahmen nicht ganz eingetreten ist: Der Ruf nach Personalisierung ist bei den Kunden nicht so schnell so laut geworden, wie wir seinerzeit erwarteten.

Was raten Sie einem Kollegen, der jetzt vor der Entscheidung steht?

Vor dem Kauf muss einem klar sein, dass die Maschine in drei bis fünf Jahren verdient sein muss, denn viel länger ist die Technik nicht aktuell. Auch wenn die Maschinen modular konstruiert sind und einzelne Teile ausgetauscht werden können, länger als fünf Jahre werden die heutigen Produktionsergebnisse nicht marktfähig sein. Dazu entwickelt sich diese Technologie noch zu schnell.

Was auch ganz klar ist: Die eingesetzte Technologie alleine schafft kein Alleinstellungsmerkmal, für die Kunden muss das Endergebnis passen.

Wenn nicht die Technologie über Erfolg und Misserfolg entscheidet, was dann?

Wir bieten technisch neutral an und sehen uns als Lösungsanbieter, der im Dialog mit dem Kunden das beste Ergebnis liefert. Der Mehrwert der meisten Produkte entsteht nicht (mehr) aus dem Druck, sondern erst im Zusammenspiel mit den nachfolgenden Prozessen beim Drucker oder beim Kunden.

„Kann“ Inkjet jeder?

Definitiv nicht. Die möglichen Materialien sind beim Inkjet fast so vielfältig wie im Siebdruck, da muss ich schon im Proto­typing oder bei Kleinserien wissen, was mein Produkt können soll. Und jede Anforderung hat ihre eigenen Schrauben, an denen der Experte im gesamten Produktionsprozess drehen muss. Wer fit im Offset-Druck und mit Papier ist, muss noch lange nicht den Inkjet-Druck beherrschen. Und weil es im Inkjet-Bereich derzeit die größten Technologiesprünge und kaum Standardisierungen gibt, braucht es auch Mitarbeiter, die mit der Maschine und den Produkten lernen und auch in der Veredelung fit sind. Es gibt nicht umsonst eine eigene Aus­bildung zum Digitaldrucker.

// Über Gradwohl

Die Gradwohl GmbH mit Sitz in Melk fertigt Produkte der Sparten Druck, Kunststoffverarbeitung und Metallbau. Kernkompetenz ist die Herstellung von Displays, das sind Hilfsmittel zur Warenpräsentation im Einzelhandel aus Kunststoff, Papier, Pappe oder Metall. Darüber hinaus werden Verpackungen und Kunststoffteile für die Maschinenbau- und Autozulieferindustrie gefertigt. Mag. Rainer Gradwohl ist seit dem Jahr 2009 Geschäftsführer.

www.gradwohl.co.at

 

Foto © Gradwohl GmbH