Kleines Quadrat ganz groß

Etikett (c) druckwerk krems_KiTO.photography

Etiketten zu erzeugen und zu bedrucken klingt nach einem einfachen Job. Spricht man jedoch mit Etikettenprofis, dann wird einem ziemlich schnell klar: Etiketten sind heutzutage nicht nur bedrucktes Papier oder Kunststoff, sondern können schon weit mehr.

Für welches Produkt ist das Etikett gedacht? Für Flaschen aus Glas, Kunststoff oder Metall? Kommt das Etikett mit dem Lebensmittel in Berührung oder nicht? Soll das Etikett permanent haften, oder soll es rückstandslos entfernt werden können? Muss das Etikett auch bei Wasser- und Hitzeeinwirkung seine Farbe und Form halten oder soll es sogar als Qualitätsmanager fungieren? Das sind nur einige Fragen, um die es beim Thema innovative Etiketten geht.

Schlagwort „functional label“

Funktionelle Etiketten können mehr als nur ein Produkt kennzeichnen: Sie schützen das Produkt auch vor Fälschungen. So gibt es z. B. Etiketten, die wie ein Siegel wirken und nicht mehr rückstandsfrei abgelöst werden. Damit wird sichergestellt, dass in der Flasche wirklich der Champagner ist, der auch am Etikett angeführt wird. Thermochrome Farben sind weitere intelligente Player im Etikettendruck. „Eingesetzt werden diese z. B. um sicherzustellen, ob die Sterilisation von Lebensmitteln erfolgreich war. Verfärbt sich das Etikett, dann kann der Qualitätsmanager sichergehen, dass der Erhitzungsprozess wie gewünscht vollzogen wurde“, erklärt Helmut Binder vom Farbenhersteller Sun Chemical.

Das Etikett verbindet die digitale mit der realen Welt.
Stephan Wirth, Trauner CTI-GROUP

Etikett © druckwerk krems / KiTO.photography

Veredelungstechniken sind bei Etiketten unumgänglich. © druckwerk krems / KiTO.photography

Das digitale Etikett

„Etiketten können heute schon die Verbindung zwischen digitaler und realer Welt schaffen“, weiß Stephan Wirth von der Trauner CTI GROUP, einem weltweit agierenden Unternehmen im Bereich Verpackungs- und Etikettendruck, zu dem auch die Firma Ulikett GmbH in Wien gehört. „Alles was es dazu braucht, ist ein Handy. Das Etikett dient dann als Schnittstelle zur digitalen Welt.“ So können dem Kunden weitere Inhalte in den Bereichen Social Media, Entertainment oder aus der Markenwelt präsentiert werden.

Das „Öko“-Etikett

Auch Etiketten müssen nachhaltiger und ökologischer werden. So wird zum Beispiel das verwendete Papier immer dünner. Damit können wertvolle Holzfasern eingespart werden und es stellt sich auch ein angenehmer Nebeneffekt ein: Ökologisch heißt nicht automatisch höhere Kosten. Ein weiterer Ansatzpunkt: Selbstklebeetiketten sind auf Silikonpapier aufgebracht. Dieses ist extrem hochwertig, denn es muss absolut reißfest sein. Es wieder „unfallfrei“ in den Kreislauf zu bringen, ist daher ein klares Ziel.

Der Trend geht in Richtung Individualisierung der Kommunikation.
Stephan Wirth, Trauner CTI-GROUP

Etikettendruck: Klarer Trend zur Veredelung

„Flaschenetiketten müssen am point of sale in kurzer Zeit überzeugen, der potentielle Käufer sucht aus der Vielfalt seinen optischen Favoriten. Unterschiedliche Veredelungstechniken sind daher eine beliebte Form, um die Flasche in den Blickpunkt der potentiellen Käufer zu rücken“, so Franz Bösmüller, Chef vom Druckwerk Krems. Schick sind derzeit Heißfolienprägungen mit Glanzeffekten oder die Verwendung unterschiedlicher Folien. Stark nachgefragt wird auch Siebdruck. Hier werden Muster, Schrift oder Logos veredelt. „Ein Trend den wir in der Konsumgüterindustrie sehen ist der Trend zur Individualisierung der Kommunikation bzw. der immer detaillierteren Kundensegmentierung durch die Markenartikler. Dieser Trend begünstigt den Digitaldruck als Druckverfahren, welches die indiustrielle Massenproduktion von Unikaten ermöglicht“, ergänzt Wirth.

Spezialdisziplin Weinetiketten

„Weinetiketten zu produzieren ist eine Wissenschaft“, weiß Bösmüller: „Es gibt ganz klare gesetzliche Vorschriften, die jedes Etikett erfüllen muss. Verpflichtend müssen z. B. der Alkoholgehalt, das Ursprungsland und die Prüfnummer angegeben werden. Sogar die zu verwendende Schriftgröße ist klar normiert. Im Druckwerk Krems haben wir daher ein eigenes Weinlektorat.“

www.druckwerkkrems.at
www.cti.group
www.sunchemical.com

The Future of Label Printing to 2022

 

Foto: Flaschenetiketten müssen am point of sale in kurzer Zeit überzeugen. © druckwerk krems / KiTO.photography

Die Smithers Pira Studie über die Zukunft des Etikettendrucks zeigt, dass Deutschland der größte Markt für Etiketten in Europa ist. Im Jahr 2017 wird eine bedruckte Etikettenfläche von umgerechnet 47,4 Milliarden A4 erwartet, im Vergleich zu rund 43,2 Milliarden A4 im Jahr 2012. Das entspricht etwas mehr als einem Viertel des Gesamtmarktes in Westeuropa und einem Wert von 1,48 Milliarden Euro.

In Deutschland sind Haftetiketten das größte und am stärksten wachsende Marktsegment. Diese verdrängen Nassklebeetiketten and ähnliche Technologien. Starkes Wachstum wird auch für Sleeves und In-mould labels vorhergesagt.

Was die Drucktechnologie betrifft, so wird ein starkes Zurückgehen der analogen Druckprozesse in den Jahren 2017-2022 erwartet; für den wichtigsten Bereich, den Flexodruck, wird dieser Rückgang aber sehr gering sein. Für Etiketten, die mit Tonerverfahren gedruckt werden, wird ein deutliches Wachstum von etwa 4 % pro Jahr erwartet. Das wirkliche Wachstum wird aber für den Bereich Inkjet prognostiziert. Hier soll das Volument in den nächsten fünf Jahren praktisch verdoppelt werden. Dabei spielen auch neue, produktivere Druckmaschinen eine wichtige Rolle.

Der gesamte Markt für Etikettendruck in Westeuropa wird von 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf 7,2 Milliarden Euro im Jahr 2022 wachsen. Westeuropa ist ein reifer Markt für den Etikettendruck, das jährliche Wachstum wird etwa 1,5 % betragen. Einzelne nationale Märkte könnten laut Smithers-Pira diese Werte aber durchaus übertreffen.

In der gleichen Periode wird der weltweite Etikettenmarkt von 29,5 Milliarden Euro auf 33,4 Milliarden Euro wachsen.

Quelle: Smithers Pira, The Future of Labelling Printing to 2022