Innovation hat mit Loslassen zu tun

Helmut Blocher (c) SUCCUS

Innovationen passieren nicht von selbst. Als Führungskraft ist man gefordert, die richtigen Weichen zu stellen, findet Helmut Blocher, Geschäftsführer von Succus Wirtschaftsforen. Wir haben uns bei ihm noch weitere Tipps zur erfolgreichen Innovation geholt.

Herr Blocher, Innovation ist heute ein MUST. Was macht für Sie eine innovative Unternehmenskultur aus?

Innovative Unternehmer geben die Zügel auch mal aus der Hand, denn man kann nicht alles kontrollieren. Mitarbeiter brauchen Freiräume, wo sie angstfrei neue Ideen wachsen lassen können. Das beinhaltet einerseits die physische Raumkomponente und andererseits die Art und Weise zu denken. Design-thinking ist hier ein Stichwort. Dabei werden in Innovationsprozesse nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch Kunden und Lieferanten eingebunden. Ich finde es extrem wichtig, dass dieses Einholen von Kundenfeedback so früh als möglich passiert.

Was sind klassische Störfaktoren in Innovationsprozessen?

Wir Österreicher zählen generell nicht zu den Innovativsten. Es gibt immer gleich Personen, die „geht nicht“ rufen. Was in der Vergangenheit nicht geklappt hat, klappt in diesem Denkmodell auch in Zukunft nicht. Oder es wird fälschlicherweise an Traditionen festgehalten. Daher sollte man als Führungskraft verhindern, dass die zarte Pflanze der Innovation gleich mit Querschüssen vernichtet wird.

Rasche Querschüsse müssen verhindert werden.
Helmut Blocher

Innovation hat auch viel mit Führungs- und Fehlerkultur zu tun. Wie kann eine Führungskraft Innovationen fördern und was kann man machen, wenn eine Innovation nicht klappt?

Chefs müssen Fehler zulassen können. Oft klappt es erst nach Adaptierungen im zweiten oder dritten Anlauf, bis eine Innovation wirklich erfolgreich ist. Hier nicht vorzeitig aufgeben, ist ein ganz wichtiger Tipp. Und auch, dass Geld in den Sand gesetzt werden darf. Ich weiß, dass man in Österreich gleich gebrandmarkt ist, wenn man versagt. Im Silicon Valley ist es gut, wenn man bereits einmal durch die Hölle gegangen ist.

Wie erklären Sie sich, dass Innovationskraft in manchen Branchen immer nur mit technischer Innovationskraft assoziiert wird?

Der deutschsprachige Raum ist generell sehr technikverliebt, in manchen Branchen ist diese Haltung besonders stark ausgeprägt. Aber das ist nur ein Teil. Innovationen sollten meiner Meinung nach immer zu einer Vereinfachung führen. Ich rufe daher speziell die Druck- & Medienbranche auf, die digitale und analoge Welt zu vereinen und damit Erleichterungen für die Kunden zu schaffen.

Was raten Sie Unternehmen, die stark unter Druck stehen, damit auch diese innovativ sein können?

Im Tagesgeschäft werden hier nicht viele Ideen kommen. Ich empfehle genau diesen Unternehmen sich ein bis drei Tage Zeit zu nehmen, um an der Zukunft zu arbeiten. Und das extern.

 

Foto: Helmut Blocher © Bernstein

OPEN MINDED LEADERSHIP von Dr. Nana Walzer, erschienen im LIT-Verlag, ISBN 3-643-50813-3

Mag. Helmut Blocher, MBA, ist seit Jahren im Management von B2B-Konferenzen tätig. Sein jetziges Unternehmen Succus Wirtschaftsforen organisiert in Deutschland und in Österreich Konferenzen zu den Themenkreisen Innovation / CRM / Daten.

www.succus.at