Industrieller Inkjet-Druck: Forscher, Produzenten und Nutzer bei der gestrigen Inkjet-Konferenz in Wien im Dialog

Konferenz des Verband Druck & Medientechnik in Wien beleuchtete ein heißes Branchenthema von allen Seiten – und bot wichtige Einblicke für Unternehmer.

Am 31. Jänner 2018 trafen sich Hersteller, Anwender und Forscher in der Wiener Innenstadt, um Fortschritt, Möglichkeiten und Zukunft der industriellen Inkjet-Technologie zu diskutieren. Viele in der Druckbranche fragen sich: Wird Inkjet den traditionellen Offset-Druck nur ergänzen – oder irgendwann ganz ersetzen?

Das Credo der Veranstaltung fasst Mag. Alexandra Zotter, Geschäftsführerin des Verband Druck & Medientechnik zusammen: „Der industrielle Inkjet-Druck eröffnet viele neue Möglichkeiten und Antworten auf die Bedürfnisse der Endkunden nach Individualisierung, Personalisierung und schnellen Prototypen. Er ist damit eine perfekte Ergänzung für den Offset-Druck und eine Chance für die Branche, aktiv neue Märkte zu erschließen.“

Prognosen zeigen: Inkjet-Volumen wächst

„Alle Prognosen zeigen, dass das Wachstum in der Branche vom Digitaldruck kommt. Offset-Druck und Digital-Druck koexistieren meiner Meinung nach und verstärken sich damit,“ fasst es Montserrat Peidro-Insa, Vice President Digital Printing von Heidelberger Druckmaschinen zusammen. So sehen auch Forschungsinstitute, dass der klassische Druck aufgrund geringerer Auflagenhöhen rückläufig ist und das Wachstum von Inkjet-Druck kommen wird. Smithers Pira geht in Europa von einem Wachstum des Digitaldrucks von 2015 auf 2020 um durchschnittlich + 15 % pro Jahr aus, wobei der Inkjet-Druck deutlich mehr als der Tonerdruck zulegt. Im Inkjet-Verpackungsdruck wird sogar ein Wachstum von + 18,5 % erwartet.

Wo sind die Märkte?

Als Anwendungsgebiet für den industriellen Inkjet wurde der Bücherdruck identifiziert, dem Inkjet eine Optimierung des Bestandsmanagements erlaubt. Auch bei Direct-Mailings und beim Katalogdruck wird Inkjet mit seinen Stärken Schnelligkeit, Personalisierung und punktgenauer Kundenansprache punkten. Aber dort wo Sonne ist, kann auch Schatten sein, wie es Peter Sommer, CEO für Print & Packaging von der internationalen Elanders-Gruppe, auf den Punkt bringt: „Inkjet kann die Rentabilitätslücke zwischen Offset- und Digital-Druck schließen. Aber die Investitionen liegen im Inkjet sehr hoch. Daher sollte man sich bereits vor der Kaufentscheidung sehr genau überlegen, wie das Business-Modell dahinter aussieht. Ebenso muss man sich Gedanken machen, ob die unternehmensinterne digitale Verarbeitung der Daten bereits Inkjet-fit ist.“

Das haben Marken vom Inkjet-Druck

Markenartikler streben danach, ihre Brand gekonnt in Szene zu setzen. Die richtige Verpackung ist dabei oft die halbe Miete. Denn Ziel ist es, in der Gunst der Kunden zu steigen und damit die Verkaufserlöse zu steigern. Aber es gibt auch noch ein weiteres Ziel, weiß Montserrat Peidro-Insa von Heidelberger Druckmaschinen: „Für Marken wird das Thema Sicherheit immer wichtiger, speziell im Pharma- oder Luxury-Goods-Bereich. Hier kann Inkjet perfekt punkten. Ebenso wenn es darum geht, schnell Prototypen für neue Verpackungen herzustellen.“

Wie profitieren Unternehmen vom Inkjet-Druck?

„Die Anforderungen in der grafischen Branche ändern sich ständig und das bei sinkenden Auflagen und immer komplexer werdenden Produkten. Inkjet ist für uns keine Nische, sondern durchdringt alle Druckprodukte. Inkjet hilft, den neuen Herausforderungen entspannt zu begegnen und interne Abläufe und Prozesse zu verschlanken. Damit können die Fehlerquellen beim Druck verringert und die Produktionskosten gesenkt werden.“, so Louis van der Linden, Business Development Manager Sheetfed Inkjet, Canon Europe N.V.

Inkjet abseits Papier

„Wie wir bei der heutigen Konferenz gesehen haben, ist Inkjet am besten Weg, erwachsen zu werden. Es liegt nun an uns zu schauen, wie wir das Anwendungsspektrum erweitern können,“ ergänzt Reinhard R. Baumann von der TU Chemnitz. Die Hochschule hat bereits Erfahrungen in der Nutzung von Inkjet als „printed technologies“. So z. B. bei der Herstellung von flexiblen Batterien, Antennen oder Sensoren in 3D-Inkjet-Druck.

Die Inkjet-Konferenz wurde von folgenden Partnern unterstützt:
Canon | VfG | Heidelberg | Xerox | HP | Agfa | Konica Minolta | FESPA

Moderiert hat die Konferenz Prof. Dr. Werner Sobotka, Präsident des VfG.

Foto 1

v.l.: Werner Sobotka (VfG), Peter Zabika (Konica Minolta), Michael Smetana (HP), Wolfgang Kropiunik (Mondi), Louis van der Linden (Canon), Montserrat Peidro-Insa (Heidelberg), Reinhard R. Baumann (TU Chemnitz), Alexandra Zotter (Verband Druck & Medientechnik), Mario Offermann (Agfa), Emma Tuddenham (FESPA), Matthias Wagner (Xerox).

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Montserrat Peidro-Insa von Heidelberger Druckmaschinen

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Peter Sommer, CEO für Print & Packaging von der internationalen Elanders-Gruppe

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Louis van der Linden, Business Development Manager Sheetfed Inkjet, Canon Europe N.V

Foto 5

Reinhard R. Baumann

Alle Fotos: Christian Handler, Verband Druck & Medientechnik