Europas Druckexperten zur Zukunft der Branche 

Was bringen die kommenden Jahre der Druckbranche in Europa? Eine aktuelle Einschätzung von Verbänden der europäischen Druckbranche brachte interessante Erkenntnisse, die wir hier für Sie zusammengefasst haben:

  1. Fachkräftemangel und Ausbildung

Eines der Hauptthemen für die europäischen Drucker ist der Fachkräftemangel. So berichtet der deutsche Verband, dass 60 % der Unternehmen derzeit Fachkräfte suchen, das deckt sich in etwa auch mit den Ergebnissen unserer Umfrage letzten Jahres.

Die Unternehmen kämpfen dabei mit unterschiedlichen Problemen, in den Niederlanden beispielsweise ist die geringe Mobilität der Arbeitskräfte ein Thema, in Italien gibt es viele Arbeitslose, aber dennoch wenig geeignete Fachkräfte; in Kroatien wird die Druckbranche als nicht mehr so attraktiv wie früher wahrgenommen, so dass deshalb die Personalsuche schwierig ist. In Deutschland gibt es derzeit Verhandlungen zum Tarifvertrag, was wiederum zu Unsicherheit und auch Streiks führt. Die Italiener sehen auch Probleme bei der internen Weiterbildung: Es ist dort schwierig, einen herkömmlichen Drucker in die digitale Welt einzugliedern.

Als potenzielle langfristige Lösungen werden die Ausbildung der Fachkräfte in den Betrieben und gezielte Employer-Branding-Maßnahmen der Druckunternehmen genannt.

Einzelne Verbände betreiben PR für die Branche, beispielsweise kommuniziert der französische Verband intensiv die Vorteile des Gedruckten im Bereich der Nachhaltigkeit im Gegensatz zu elektronischen Medien.

  1. Entwicklungen im Absatzmarkt

Der klassische Druck ist in ganz Europa rückläufig. Besonders der Zeitungsdrucksektor wird als schrumpfend angesehen, ebenso die Schulbücher, die in einigen Staaten (Frankreich, Kroatien) bereits aktiv durch digitale Medien ersetzt oder ergänzt werden. Als stabil wird derzeit meist nur der Verpackungssektor gesehen.

Die Verbände aus Kroatien, Portugal, Frankreich und Italien berichten auch über einen stabilen Buchmarkt. In Nordeuropa (Schweden, Finnland) sind Betriebsschließungen ein Thema, Belgien berichtet über Fusionen von Druckereien.

  1. Entwicklungen im Beschaffungsmarkt

Die aktuellen Papierpreiserhöhungen werden in ganz Europa mit großer Sorge gesehen. Es wird mit Nachteilen für gedruckte Medien im Gegensatz zu digitalen Medien gerechnet.

Weitere Themen in diesem Bereich sind die Weitergabe von Altpapier ins Ausland und die Entwicklung der Energiepreise.

  1. Entwicklung im politischen Umfeld

Die in Europa nun mögliche Reduktion der Umsatzsteuer für digitale Publikation wie e-Books wird die Konkurrenzfähigkeit von gedruckten Produkten allgemein verschlechtern. Es ist anzunehmen, dass einige Staaten die Reduktion demnächst umsetzen werden.

Gefahr kommt auch von der Initiative einiger Staaten, Direct Mails oder unadressierte Mailings als Opt-In zu definieren (aktuell in Belgien und Frankreich). Es dürften Werbezusendungen dann nur nur an solche Konsumenten gesendet werden, die ausdrücklich zugestimmt haben. Für die Druck- und Werbebranche würde eine solche Entwicklung deutliche Umsatzverluste bringen.

Einzelne Staaten (Spanien) reduzieren aktiv den Papierverbrauch in der Verwaltung, mit dementsprechend negativen Effekten für die Druckbranche.

In Frankreich wurde eine sogenannte Öko-Steuer eingeführt, die immer dann zum Tragen kommt, wenn die Entfernung zwischen der Papierherstellung und der Endverteilung an den Endkunden mehr als 1500 km beträgt. Das ist in den meisten Fällen der Fall. Eine solche Steuer wäre für alle Länder Europas eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit von Papier.

 

Bild © Adobe Stock / Industrieblick

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