Es geht ums Papier

Wald (c) Handler

Reicht die Verwendung von nachhaltig produziertem Papier aus, um das PEFC-Zertifikat führen zu dürfen? Welchen Unterschied gibt es zum FSC®-Zeichen? Axel Dick, Experte für Umweltmanagement bei Quality Austria, der führende österreichische Ansprechpartner zum Thema Qualitätsmanagement, erklärt die Feinheiten.

Wofür steht das PEFC-Zeichen?

PEFC ist die Abkürzung für „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, also übersetzt „Programm zur Anerkennung von Forst-Zertifizierungssystemen“. Das PEFC-Zeichen gibt Sicherheit darüber, dass das Papier aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft stammt. Die gesamte Wertschöpfungskette ist somit nachvollziehbar, vom Forst bis zum Flyer oder Buch.

Labelling ist ein Mehrwert.
Axel Dick

Reicht die Verwendung von PEFC-zertifiziertem Papier, um PEFC-zertifiziert zu sein?

Nein, alleine durch den Einkauf von PEFC-zertifiziertem Papier erzeugt man nicht automatisch PEFC-zertifizierte Aufträge. Dafür ist noch ein zweiter Schritt notwendig: Druckereien müssen Teil der PEFC-Produktkettenzertifizierung sein. D.h. auch Einkauf, Lagerung, Abfallwirtschaft, Transport und Rechnungslegung müssen den Zertifizierungskriterien entsprechen.

Wofür steht das PEFC-Zeichen nicht?

Es sagt nichts über die Papierqualität abseits der Nachhaltigkeit oder über die Produktion aus. So z. B. ob das Papier dann noch im Druck mit Lack veredelt wurde. Dies deckt beispielsweise das Österreichische Umweltzeichen ab.

Wofür steht das FSC-Zeichen und welchen Mehrwert bietet es einer Druckerei?

FSC steht für „Forest Stewardship Council“ und ist eine Non-Profit-Organisation, die das erste internationale System zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft geschaffen hat. Die Legalität von Rohstoffen wird in unserer heutigen Zeit immer wichtiger, denn der Druck auf die Ressourcen steigt. Dahingehend kann sich eine Druckerei durch das FSC-Zeichen ebenfalls sehr gut vom Wettbewerb abheben.

Welche Unterschiede zum PEFC-Zeichen gibt es?

Die Grundintention von PEFC-Zeichen und FSC-Zeichen ist ähnlich.

In Europa und Österreich gibt es übrigens fast nur PEFC-zertifizierte Wälder. Unterschiede bestehen beispielsweise hinsichtlich der Akkreditierung der Zertifizierungsstellen oder in unterschiedlichen Normenanforderungen; sowie in der Vermarktung der Marke, bei letzterer ist FSC progressiver. Beide Systeme müssen aber getrennt voneinander auditiert werden.

In Deutschland und der Schweiz geht so richtig die Post ab.
Axel Dick

Wie schätzen Sie die Nachfrage nach PEFC- und FSC-zertifizierten Produkten ein?

Generell gilt: Green Economy ist ein Megatrend, der nicht mehr aufzuhalten ist. Das Energieeffizienzgesetz, das EU-Kreislaufwirtschaftspaket und die Achtsamkeit mit Ressourcen – es gibt bestimmende externe Trends, die Kunden werden immer kritischer. Labelling wächst.

Hinter jeder Zertifizierung sollte eine gewisse Autorität stecken, es geht also um unabhängige Audits durch Dritte. Die Positionierungsfrage, die jede Druckerei für sich beantworten muss, lautet: Welche Kunden möchte ich? Gehe ich in Richtung Nachhaltigkeit oder nicht? Eine weitere wichtige Frage ist: Wie kommuniziere ich dieses Labelling strategisch und konsequent?

Ist Österreich ein Vorreiter bei der Nachfrage dieser Zertifizierungen?

Österreich zehrt von seinem ehemaligen Image des Umweltmusterschülers. Wenn man sich aber die ISO-Survey-Statistik aus dem Jahr 2016 ansieht, wird schnell klar: Deutschland und die Schweiz sind Österreich einiges voraus, was Zertifizierungen in den Bereichen Umwelt- und Energiemanagement betrifft. In Österreich gab es nur halb so viele Neu-Zertifizierungen wie in Deutschland oder der Schweiz.

 

Bild: Wald © Handler