Druckbranche fordert mehr Fairness: Selbst Bundespräsident Fischer druckt im Ausland

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Druckbranche fordert mehr Fairness: Selbst Bundespräsident Fischer druckt im Ausland

Auf die Frage, wie Politiker den Wirtschaftsstandort Österreich stärken wollen, haben alle Parteien ein Konzept vor Augen.  Doch wenn es um das eigene Geschäft geht, dann ist Qualität aus Österreich nicht immer ein Kaufargument, deckt der Verband Druck & Medientechnik auf. Aktuelles Beispiel: Das neue Buch des scheidenden Bundespräsidenten Heinz Fischer wurde in Slowenien gedruckt.

„Erinnerungen in Bildern und Geschichten von Margit und Heinz Fischer“, so der Titel des gerade in der Edition Lammerhuber erschienen Buches. Die Fotos stammen aus dem privaten und öffentlichen Leben des nunmehr scheidenden Bundespräsidenten und langjährigen Politikers. Gedruckt wurde es in Kranj in Slowenien. Gerald Watzal, Präsident des Verband Druck & Medientechnik ist über diese Tatsache sehr verärgert: „Politiker sollten eine Vorbildwirkung haben und die österreichische Wirtschaft unterstützen. Dazu gehört für uns auch, dass ein österreichisches Buch in Österreich gedruckt wird. Die österreichische Druckbranche kämpft ohnedies seit Jahren mit enormem Preisdruck aus dem Ausland bei einem gleichzeitig im internationalen Vergleich extrem hohem Lohnniveau. Die österreichische Druckbranche kämpft weiter und setzt sich dafür ein, dass der Firmenstandort und die Arbeitsplätze in Österreich erhalten bleiben. Wir wollen dafür keine Medaille, das ist für uns selbstverständlich. Aber wenn selbst Politiker bedenkenlos im Ausland drucken lassen, dann fühlen wir uns als Branche im Stich gelassen.“ Die Tatsache, dass der Autorenerlös der Aktion „Armut tut weh“ zu Gute kommt, hinterlässt für Watzal ein schiefes Bild: „Herr Fischer wollte sicher Menschen unterstützen, denen es nicht so gut geht. Aber dann hätte er konsequenterweise auch einen österreichischen Betrieb mit seinem Druckauftrag unterstützen können.“

Verband Druck & Medientechnik fordert mehr Fairness

Der Verband Druck & Medientechnik fordert Fairness von öffentlichen Institutionen bei der Ausschreibung von Drucksorten. „Oftmals werden österreichische Druckereien nicht einmal eingeladen, ein Angebot zu legen. Diese Entwicklung bedauern wir als Branchenverband natürlich sehr, hat dies doch Konsequenzen für alle unsere Betriebe und Arbeitnehmer“, so Präsident Watzal und betont: „Wir können und möchten niemanden vorschreiben, welche Druckerei sie oder er wählt, aber wir appellieren an die Unternehmen und an die Auftraggeber – schreibt eure Aufträge in Österreich aus!“ Wer in Österreich drucken lässt, hat zudem Vorteile: Die Transportwege sind kürzer, die Abstimmung und speziell bei heiklen Aufträgen die Beratung kann persönlicher sein, und die Ansprechpartner sprechen die gleiche Sprache. „Außerdem können sich die Auftraggeber bei Streitigkeiten auf den Gerichtsstandort Österreich verlassen“, sagt Watzal.

Schleißiger Umgang mit Druckwerken

Dass Drucksorten von Politikern und Parteien im Ausland gedruckt werden, ist kein Einzelfall. Auch mit an sich verpflichtenden Elementen wie der Impressumspflicht nehmen es viele öffentliche Institutionen nicht genau. Schon bei der Bundespräsidentschaftswahl zeigte die Recherche des Verbandes Druck & Medientechnik, dass die Wahlplakate von drei der sechs Kandidaten kein oder ein fehlerhaftes Impressum hatten. Ein korrektes Impressum mit dem Hinweis „gedruckt in Österreich“ hatten nur Alexander van der Bellen, Rudolf Hundstorfer und Andreas Kohl. Immerhin: Das Statement des Verband Druck & Medientechnik hat dafür gesorgt, dass das Wahlkampf-Team von Irmgard Griess nachgebessert hat und auch das Büro von Norbert Hofer auf Nachfrage die Druckerei genannt hat.