Diversity ist das Wort unserer Zeit

Heidi Aichinger beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit Themen Business, Karriere und Frauen. Die studierte Japanologin und Publizistin war zuletzt 10 Jahre für die Tageszeitung Der Standard tätig. Heute ist sie Herausgeberin der deutschsprachigen Ausgabe des US-Wirtschaftsmagazins Forbes.

Welchen Stellenwert hat die Frau bei Forbes?

Forbes hat bereits seit der ersten Ausgabe im Jahr 1917 eine eigene Rubrik „Women in Business“, die auch immer von Frauen mitgestaltet wurde. Es war und ist selbstverständlich, dass Frauen Teil der Wirtschaftswelt sind und dass auch von und über Frauen berichtet wird. Das war 1917 – und das auch am Cover manifestiert – aber sicher visionär. Als Wirtschaftsmagazin das Menschen in den Mittelpunkt stellt, beschäftigen wir uns mit Unternehmertum, der Finanzwelt, dem Gründen und unterschiedlichsten Management-Themen und bemühen uns, auf Vielfalt zu achten – Männer wie Frauen gleichermaßen abzubilden. Das gelingt uns unterschiedlich gut. Grundsätzlich wollen wir Frauen ermutigen, „ihr Ding zu machen“, ihre Ziele hochzustecken, ihren eigenen Weg zu gehen und veraltete Muster zu hinterfragen und auch Spaß und Freude an Job und Erfolg zu haben.

Sie beschäftigen sich als Journalistin seit Jahren mit Frauenthemen, nun auch bei Forbes. Warum liegt Ihnen das so am Herzen?

Es war mir immer ein Anliegen, interessante Frauen, die etwas bewegen, in den Vordergrund zu rücken. Frauen erzählen ihre Erfolgsgeschichten oft auch ganz anders als Männer – in meiner Wahrnehmung sind die Schilderungen detaillierter und auch vielschichtiger, weil sie nicht nur über sich selbst, sondern häufig auch über ihre Umfelder sprechen. Vieles, was in die Kategorie „Frauenthemen“ fällt, finde nicht nur ich zu defizitorientiert und wenig motivierend dargestellt. Das ist auch ein Grund, warum wir bei Forbes gerne über positiv besetzte Role Models arbeiten.

Welche Themen rund um die Frau in der Wirtschaft stehen heute im Vordergrund?

Nach vielen Jahren des Daseins als „argumentatives Feigenblatt“ scheint das Thema Diversity – also die Vielfalt über die Geschlechterfrage hinaus – langsam auf fruchtbareren Boden zu fallen. Frauen sind hier sicher ein wichtiger Teil davon. Es liegt ja auch auf der Hand: Eine Vielfalt an Perspektiven bringt vielfältigere Ideen, Produkte oder Services zutage. Als Unternehmen müssen sie intern die Strukturen extern, also die Kunden und ihre Bedürfnisse, spiegeln können, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Divers aufgestellte Unternehmen machen auch höhere Gewinne.

Es gibt heute nur wenige Frauen, die Herausgeberinnen und Chefredakteurinnen sind. Was könnten die Gründe dafür sein?

Da muss ich Ihnen widersprechen. An der Spitze des Economist steht Zanny Minton Beddoes, Katherine Viner ist Chefredakteurin des Guardian, Gabriele Fischer ist Chefredakteurin von Brand Eins. Und dann haben sie zum Beispiel noch Medienmanagerinnen wie Julia Jäkel, CEO von Gruner + Jahr, oder Yvonne Bauer von der Bauer Media Group oder Eva Dichand. Nicht zuletzt ist hier auch noch Moira Forbes zu erwähnen. Seit vielen Jahren ist sie die Herausgeberin des äußerst erfolgreichen Business- und Karrieremagazins ForbesWoman – und auch die Speerspitze der weltweiten Bewegung Women@Forbes, die wir für den deutschsprachigen Raum vorantreiben. Es gibt viele sehr erfolgreiche Frauen in den Medien. Ich hoffe, es werden noch mehr!

 

Infobox
2015 erschien das US-Wirtschaftsmagazin erstmals in Österreich. Seit 2017 wird Forbes als deutschsprachige Ausgabe in Wien und Zürich produziert. Die Printauflage liegt bei 30.000 Stück für Österreich und 10.000 Stück für die Schweiz. Über die digitalen Kanäle erreicht die deutschsprachige Ausgabe von Forbes über 100.000 Menschen pro Monat. Das Magazin versteht sich als Inspirations- und Informationsquelle sowohl für Gründer als auch erfahrene Business-Experten.

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