Die Produktion von Zeitschriften wird immer kleinteiliger

Die Bauer Media Group in Hamburg ist Europas größter Zeitschriftenverlag und druckt seine Millionenauflagen in drei Druckzentren in Polen und Deutschland. Das druck & medien Magazin hat mit Thomas Göbler, dem Leiter des globalen Produktions- und Druck-Geschäfts, über Druckstrategien, steigende Papierpreise und Zukunftsperspektiven gesprochen.

Die Bauer Media Group produziert weltweit rd. 700 Print-Titel. Wieviel Druckstandorte haben Sie und wie ist der Druck bei Ihnen strategisch organisiert?

Wir verfügen über zwei sehr leistungsfähige Tiefdruck-Standorte in Polen – in Wikroty und Chichanow – sowie eine mittelgroße Rollenoffset-Druckerei in Rastatt. Als führender Zeitschriftenverlag Polens liegt der Schwerpunkt unserer Produktion in Chichanow auf polnischen Verlagstiteln, in Wykroty und Rastatt dagegen vor allem auf deutschen Druckerzeugnissen. Für unsere anderen europäischen Märkte wie etwa UK setzen wir auf eine flexible Produktionsstrategie. Wirtschaftliche und logistische Kriterien entscheiden dann darüber, ob wir diese über unsere Druckereien bedienen oder die Produktion an Fremddruckereien vergeben. Für sehr weit entfernte Märkte wie Australien oder Neuseeland kommt natürlich nur die zweite Option in Frage.

Nach welchen Kriterien wird die Produktion der Titel auf die einzelnen Standorte aufgeteilt?

Hier kommen zahlreiche Faktoren ins Spiel, angefangen von Auflage und Umfang der Produktion sowie zeitlichen Vorgaben und natürlich logistische Anforderungen. Auch Produktspezifikationen wie beispielsweise Klebebindung oder Rückendrahtheftung spielen eine Rolle. Wir können anhand dieser und weiterer Variablen sehr schnell festlegen, wo wir mit Blick auf die Effizienz am sinnvollsten produzieren lassen.

Auf welche Druckverfahren setzen Sie? Bitte um Beispiele für welche Produkte Sie welches Verfahren nutzen und warum?

Wir setzen weiterhin auf Tiefdruck, da unsere beiden Betriebe hervorragend ausgestattet und eingestellt sind. Das folgt letztlich der Bauer-Strategie, populäre Titel mit hohen Auflagen auf den Markt zu bringen. Titel wie etwa die weltweit größte Kaufzeitschrift TV14 lassen wir mit einer Druckauflage von ca. 2,5 Millionen Exemplaren im Tiefdruck produzieren. Größere Special-Interest Titel wie das Gesundheitsmagazin Good Health entstehen mit einer Auflage von etwa 120.000 Exemplaren im Offset.

Gibt es Ihrer Meinung nach einen „Druckmarkt Europa“ oder sehen Sie das Druckgeschäft eher regional?

Beides ist richtig. Die Entscheidung für einen Druckstandort ist ganz klar abhängig von der Aktualität einer Zeitschrift. Je höher die Aktualität desto regionaler ist das Druckgeschäft. Für den deutschen Markt bedeutet dies, dass die Druckereien in Deutschland oder in der Nähe der Grenze zu Deutschland liegen sollten. Bei geringerer Aktualität, also bei monatlichen oder quartalsweisen Veröffentlichungen, sind auch andere Standorte denkbar. Insofern kann man ebenso von einem Druckmarkt Europa sprechen.

Was sagen Sie als Großproduzent zu den Papierpreisentwicklungen der letzten Monate und was ist Ihre Gegenstrategie dazu?

Wäre uns Anfang 2017 prognostiziert worden, dass das Angebot in dem Maße unterhalb der Nachfrage liegt und zu solchen Preissteigerungen führt, dann hätten wir unsere Zweifel gehabt. Durch die Stilllegung und die Konvertierung von Papiermaschinen ist der Markt sehr eng geworden. Richtig spürbar wurde das im August 2017 nach dem Umbau der Papiermaschine im Werk Laakirchen. Hinzu kommen Kostensteigerungen und Beschaffungsengpässe für wichtige Rohstoffe unter anderem für Holz, Zellstoff und Energie. In einer solchen Marktsituation ist eine möglichst langfristige und vorausschauende Bedarfsplanung sowie Flexibilität im Einsatz von Sorten notwendig. Zudem sehen wir unsere Papierlieferanten als Partner und pflegen einen engen Dialog.

Nur so können in kritischen Situationen auch Lösungen gefunden werden. Angesichts der aktuellen Entwicklungen wird auch das Thema Standardisierung zur Erhöhung der Flexibilität und Schnelligkeit immer wichtiger.

Herr Göbler, Sie sind bereits seit 1991 in der Branche verankert – was waren die größten Veränderungen für Sie?

Ich beobachte vor allem zwei Entwicklungen, die eng miteinander verknüpft sind: Ständiger technologischer Fortschritt sowie starke Konsolidierung auf Produktions- und Lieferantenseite – letzteres ist für eine insgesamt rückläufige Branche ja nicht allzu überraschend.

Auf technologischer Seite kann ich als Meilensteine sicher die Direktgravur, Datenübertragung zu Druckereien, Automatisierung sowie immens gestiegene Leistungsfähigkeit der Maschinen im Tiefdruck und Offset nennen. Wenn man sich den Markt der Anbieter anschaut, so hat es starke Konsolidierungen auf Seiten der Druckereien insbesondere im Tief- aber auch im Offsetdruck gegeben. Auf Lieferantenseite geht und ging die Zahl der Maschinenhersteller sowie der Farb- und Papierlieferanten deutlich zurück.

Wohin geht die Reise bei der Produktion von Zeitschriften?

Die Gesamtauflagen von Zeitschriften sinken weiter, gleichzeitig steigt jedoch die Anzahl der einzelnen Titel auf dem Markt. Zeitschriften werden im Trend immer zielgruppenspezifischer und können viel schneller in den Markt gebracht werden. Die Bauer Media Group mischt hier sehr aktiv und innovativ im Bereich der so genannten massenfähigen Special-Interest-Titel mit. Damit nimmt aber auch die Kleinteiligkeit in der Produktion zu. Um sich daraus ergebende Bedürfnisse zu erfüllen, muss die Druckproduktion anhand schmalerer Maschinen flexibler und schneller gestaltet werden. Insbesondere die Anforderungen an den Versand­raum steigen.

 

Foto © Bauer Media Group

Die Bauer Media Group ist Europas größter Zeitschriftenverlag und zählt auch in Australien, Großbritannien, Neuseeland, Polen und den USA zu den Marktführern. Sie publiziert mehr als 700 Magazine in 17 Ländern und beschäftigt 11.500 Mitarbeiter. Yvonne Bauer leitet das Familienunternehmen in fünfter Generation. Dr. Thomas Göbler ist Leiter des globalen Produktions- und Druck-Geschäfts der Bauer Media Group.

www.bauermedien.com