Bücher werden für Leser gemacht

Gastbeitrag von Dr. Werner Sobotka

Umwelt und Konsumentenverhalten sind die Herausforderungen für Publikumsverlage und Druckereien. 

Weltweit ist der Buchmarkt derzeit leicht im Sinken begriffen. Auch in Österreich hat der Buchhandel 2018 rund 1,2 % weniger Umsatz erzielt als im Vorjahr, steigern konnten sich Kinder- und Jugendbücher sowie Sachbücher. Diese Entwicklung hat auch zu einer Konsolidierung von Verlagen geführt. 

Barbara Scheuer, die Herstellungsleiterin der internationalen Verlagsgruppe Random House Bertelsmann, sieht die wesentlichen Trends im Buchmarkt in der Rückkehr zum anlogen Entertainment-Buch und beim Aspekt Umwelt. 

Das Taschenbuch ist stark rückläufig und für Käufer nur dann interessant, wenn die Ausstattung am Cover besonders originell, glänzend und haptisch ist. In vielen Fällen ist der Inhalt sogar sekundär, besonders bei Kriminalromanen und leichter Unterhaltung. Die Aufmachung und der attraktive Autor sind entscheidende Faktoren beim Bücherkauf. Die Tendenz geht aus ihrer Sicht zu Premium-Büchern und von diesem Trend wird auch die Druckbranche profitieren. Besondere Gestaltungsmerkmale sind dabei die Covergestaltung und ihre hochwertige Produktion sowie eine originelle Verpackung. Und da könnten aus Sicht von Barbara Scheuer die Druckereien ihre Beratungskompetenz viel mehr ausspielen und mehr Input an die Verlage liefern, als dies bisher der Fall war. 

Auch die Umwelt wird bei der Produktion immer wichtiger: Hier geht es um die Recyclingfähigkeit von Büchern ebenso wie um den Einsatz von archivfesten Papieren. Papiere aus nachhaltiger Forstwirtschaft sind ein Muss. Druckereien, die nicht nach dem ECO-Label für Druckprodukte zertifiziert sind, werden kaum mehr beauftragt. Die Umweltanforderungen an Verlage und damit Druckereien sind stark gestiegen. Frau Scheuer betont, dass derzeit auch Buchproduktionen wieder nach Europa zurückkehren. 

Wo können Druckdienstleister noch punkten? 

Wichtig für die Verlage ist heute die Auflagendisposition und die damit verbundene Planung und die Lieferfristen. Die Wiederbeschaffungszeiten sind bei den immer vorsichtiger werdenden Auflagenhöhen zu einem brennenden Punkt für Verlage geworden. Ausverkaufte Auflagen müssen in Wochen oder gar Tagen wieder verfügbar sein. Books on Demand werden dadurch immer interessanter, sowohl für Verleger als auch für Druckereien. 

Hat das gedruckte Buch eine sichere Zukunft? 

Ja, natürlich hat das gedruckte Buch eine sichere Zukunft. Die Bücher werden immer hochwertiger und stellen so auch eine richtige Konkurrenz zur digitalen Welt dar. Der Mensch besitzt nämlich mehr Sinne als Hören und Sehen. Wegen der Verarmung der Sinne in der digitalen Welt kann das Gedruckte seine große Stärke ausspielen: das Ansprechen aller Sinne. 

Random House 

Random House ist einer der Giganten der Verlagsbranche mit 900 Mitarbeitern, 46 Verlagen, rund 200 Neuerscheinungen pro Monat. Barbara Scheuer leitet die zentrale Herstellerabteilung mit 60 Mitarbeitern. Diese Abteilung regelt sowohl die Produktion als auch den digitalen Herstellungsprozess und koordiniert Einkauf und Produktionssteuerung. 

www.randomhouse.de 

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