Bücher fördern Kreativität

Rund 8.600 Bücher erscheinen in Österreich pro Jahr, annähernd 400 Unternehmen mit Haupttätigkeit Buchverlag und knapp 350 Vollsortiments-Buchhändler sind aktiv. Wir sprachen mit Benedikt Föger, dem Präsidenten des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, über aktuelle Themen. 

Sehr geehrter Herr Föger, wie stellt sich die aktuelle Situation der Verlagsbranche und wie jene des Buchhandels dar? 

Die Gesamtsituation in der Buchwirtschaft ist im Großen und Ganzen konstant. Diese Zahlen sind seit Jahren stabil und unterliegen keinen großen Schwankungen. Leider sehen wir beim Absatz und Umsatz über die Jahre hinweg eine gewisse Erosion, es sind keine dramatischen Einbrüche, aber wir verlieren an verkauften Büchern und beim damit erzielten Umsatz. Das sind auch unsere Herausforderungen, nämlich „das Buch“ hochzuhalten, Lesen zu stimulieren, Menschen mit dem Kulturgut Buch in Berührung zu bringen und zum Kaufen und Lesen zu animieren. Unsere Chancen liegen darin, dass das Buch und alles, was damit verbunden ist – Autoren, Verlage, Buchhändler – gut inszeniert und erlebbar gemacht werden können. 

Wenn man den Buchmarkt betrachtet, wohin geht die Reise in Österreich und auch international? 

International erleben wir eine Konzentration. Bei den Verlagen genauso wie bei den Buchhandlungen. In Österreich gibt es hingegen eine sehr eigenständige Verlagslandschaft und sehr viele einzelne Sortimentsbuchhandlungen. Unsere Herausforderung, und da liegt dann auch die Schnittmenge zwischen International und Österreich, ist es, sich da immer noch zu behaupten. Und über allem schwebt dann noch die Digitalisierung, aber das ist ein eigenes großes Thema. 

Die Österreicher lieben es, gedruckte Bücher zu verschenken. Welche wurden 2018 besonders gerne gekauft? 

Das wissen wir durch die Verkaufscharts sehr genau. Am besten wurde Belletristik (dazu zählt auch die Kriminalliteratur) mit einem Anteil von 28 % verlauft, gefolgt von Ratgebern (21 %), und Kinder- und Jugendbücher mit 18 %. Das Sachbuch kam auf 13 %. Hörbücher und eBooks, quer über alle Genres, liegen gleich auf und nehmen jeweils 3 % Umsatzanteil ein. 

Wie kann man bei der jungen Smartphone-Generation mit einem analogen Produkt – wie es das Buch ist – punkten? 

Wir wissen aus Untersuchungen, dass das Lesen in Büchern das beste kognitive Verständnis der Inhalte ergibt. Die Kombination aus Haptik und Text ist der digitalen Übermittlung via Screen deutlich überlegen. Genauso wissen wir, dass die eigene Kreativität durch Buchinhalte deutlich mehr gefördert wird, als das Betrachten/Sehen von fixfertigen Spots, Filmen oder Fotos. Dieses Wissen müssen wir nun „den Jungen“ vermitteln. Inszenieren, in Berührung sein, das Buch bewerben, frühestmöglich den Kontakt zum Buch herstellen. Und da gibt es unglaublich viele Initiativen. Vorlesetage, Buchmessen mit eigenen Kinder- und Jugendprogrammen, Lesenächte in Buchhandlungen, Autoren-Treffen in Schulen, Verlags-Praktika für Jugendliche, Lesewettbewerbe, Jugendlesepreise usw. Und natürlich müssen wir in der digitalen Welt auftreten, Online-Shops betreiben, Facebook- und Instagram-Accounts führen, bloggen, twittern und die sozialen Medien nutzen, um diese Berührung mit unseren Büchern, Autoren, Buchhandlungen und Inhalten herzustellen. 

Wir sehen leider immer wieder, dass österreichische Verlage vermehrt im Ausland drucken lassen. Zählt in der Zusammenarbeit mit Druckereien wirklich nur noch der billige Preis? 

Im Gegenteil, gerade vielen österreichischen Verlagen ist es ein großes Anliegen, in Österreich zu drucken und dafür evtl. auch einen höheren Preis in Kauf zu nehmen. Der wird oftmals aufgewogen durch besseren Service, besserer Zusammenarbeit durch bessere Kommunikation und auch durch die höhere Flexibilität der österreichischen Druckereien. Aber natürlich ist jeder Verleger ein Kaufmann, der seine Titel genau kalkulieren muss und die Lockangebote aus dem Ausland sind oftmals verführerisch. Die Frage ist nur, ob sie auch nachhaltig halten würden. 

Was könnte Ihrer Meinung nach ein Ansatz sein, damit Druckereien und Verlage in Österreich wieder enger zusammenarbeiten und damit den österreichischen Wirtschaftsstandort stärken? 

Ich gebe Ihnen abgesehen von den genannten Punkten ein Beispiel, und da geht die Initiative von uns aus. Wir veranstalten auch 2019 eine Jahrestagung, da wird heuer einer der Schwerpunkte Druck allgemein und Print on Demand sein. Da laden wir Druckereien ein, analysieren Geschäfts- und Druckmodelle, diskutieren und konferieren darüber. 

Foto © Katharina F-Roßboth

Zur Person 

Benedikt Föger ist Verleger des Czernin Verlags in Wien. Seit 2014 ist er Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels. 

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