1. Druck- & Medienkongress in Linz

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Digitaler Tsunami stärkt Print den Rücken

Digitalisierung ist in der Krise! Der zweifelhafte Umgang mit Cybermobbing, Hasspostings sowie Statistiken kratzt am Image einer Branche, die jahrelang als die Zukunft der Kommunikation gefeiert wurde. Zukunftsforscher Matthias Horx, der als Keynote Speaker beim Druck- & Medienkongress in Linz auftrat, spricht von der Rache des Analogen und dem Megatrend hin zu greifbaren Printprodukten. 160 Unternehmer aus der Druck-, Medien- und Kommunikationsbranche waren der Einladung des Verband Druck & Medientechnik nach Linz gefolgt und diskutierten über den digitalen Tsunami und die Chancen für Print.

„Wir reden immer von der digitalen Transformation, aber wir schauen dabei wenig darauf, wie sich die analogen Sektoren modernisieren und verändern“, sagt Matthias Horx in seiner Keynote. Die jungen digital Natives, die bereits mit Smartphone & Co aufgewachsen sind, werden in den nächsten Jahren ihre Lust auf Facebook & Co deutlich reduzieren und durchaus auch wieder Bücher lesen. Viele Online-Aktivitäten sind stagnierend bis rückläufig, es mehren sich die Anzeichen, dass die Sozialen Medien ihren Zenit bereits überschritten haben. E-Books haben in den USA mit 25 % Marktanteil einen vorläufigen Zenit erreicht und blieben damit deutlich unter den Erwartungen von Experten. Gleichzeitig boomen Ratgeber über die „Digital Diet“ und ähnliche digitalisierungskritische Werke. „Gedruckte Information bekommt eine viel höhere Aufmerksamkeit als digitale. Im Netz sind Inhalte oft flüchtig, irritierend, auf eine ungute Weise verführerisch und unglaubwürdig. Die Menschen haben mehr und mehr Probleme mit der digitalen Informationsflut“, so Horx. Das Digitale befindet sich mit dem Analogen in einem gegenseitigen Veränderungsprozess, einer Co-Evolution, die Zukunft gehört dem “Real-Digitalen”, der geschickten und nützlichen Verbindung beider Welten, betont der Zukunftsforscher. Moderne Print-Produktion ist ohne digitale Technik gar nicht möglich, dass führt auch dazu, dass Gedrucktes heute individueller und preiswerter und dabei qualitativ noch besser ist.

Chance Print

Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbandes Österreichische Zeitungen, VÖZ, ist überzeugt: „Je höher die Informationsflut, desto wichtiger werden Printmedien, die Orientierung stiften und Vertrauen schaffen.“ Gerald Watzal, Präsident des Verband Druck & Medientechnik ergänzt: „Gedruckte Information bietet einen Anker, weil sie von den Konsumenten hochwertiger wahrgenommen und stärker mit Qualität und Glaubwürdigkeit assoziiert wird als Online-Information. Mit dem Werkzeug Druck alleine ist es allerdings nicht getan. Es braucht Konzepte, denn Kunden kaufen Lösungen. Das Werkzeug ist nur ein Mittel dorthin. Es liegt an uns Druckereien, dass wir Lust auf Gedrucktes machen.“ Um neue Chancen für Print ging es auch bei der hochkarätigen Podiumsdiskussion.  Zukunftsforscher Matthias Horx, Stefan Achter, Managing Director bei Dataform, dem Österreich-Pionier für gedruckte Daten, Jürgen Polterauer, CEO der Agentur Dialogschmiede und Rainer Reichl, CEO der Werbeagentur Reichl & Partner, diskutierten über die geänderten Bedürfnisse von Kunden und neuen Chancen für die Druckbranche.

Grenzen verschwimmen

„Durch die Digitalisierung wachsen Agenturen und Druckereien immer stärker zusammen. In den Agenturen gibt es zunehmend weniger Printwissen. Die Beratung hat sich hin zu den Druckereien verschoben“, betont Rainer Reichl (Reichl & Partner). Stefan Achter (Dataform) ortet einen Trend in Richtung Komplettlösungen: „Gerade individualisierte Drucksorten brauchen ein Konzept, um die Fülle an digitalen Daten sicher zu verwalten, zu kanalisieren und zu verarbeiten. Dataform hat etwa für ein großes Sportereignis die Tickets gedruckt. Damit alle Daten so verarbeitet werden konnten wie gefordert, waren bei uns im Haus viele Programmierstunden notwendig. Wir sind hier in erster Linie Verarbeiter von Daten, die wir aber auch drucken.“ Jürgen Polterauer (Dialogschmiede) fragt sich, ob Print wirklich offline sei. Für ihn verschwimmen die Grenzen zwischen Digital und Print zunehmend. „Dialogmarketing ist datenbankgeprägt. Das Medium ist relativ egal. Es geht primär um die Frage, wie ich meine Zielgruppen am besten erreiche“, so Polterauer. Print habe dabei den enormen Vorteil der höheren Aufmerksamkeit, der Wertigkeit und der Haptik. Reichl berichtet, dass große Versandhandelsunternehmen wieder zum Katalog zurückgekehrt sind: „Der Verzicht auf einen Printkatalog hat zu einem Umsatzeinbruch geführt.“ Allerdings sei Beratung das Schlüsselwort. „Wenn Druckereien nur die Standardlösung anbieten, dann werden sie austauschbar“, meint Polterauer. Reichl hält dagegen, dass auch die Unternehmen umdenken müssen. „Der Tod jeder Kreativität sind Matrixorganisationen. Diese machen die Menschen zu matrixgesteuerten Robotern, die nicht nach links und rechts schauen.“  Matthias Horx sieht das zuversichtlich: „Es gibt kein Zukunftsvertrauen. Aber es wird noch immer gedruckt. Die Frage ist nur, wie und was.“ Denn Fakt sei auch, dass Druckereien im Wandel seien.

Druck 4.0 – Digitalisierung der Prozesse bereits Realität

Bereits Realität ist eine immer stärkere digitale Transformation in den Druckereien selbst. Neben der Podiumsdiskussion beschäftigten sich alle fünf Panels und vier Wordraps beim Druck- & Medienkongress eingehend mit dem Thema Digitalisierung und ihren Auswirkungen auf die Druck- & Medienbranche. „88 % der Unternehmen sehen sich dadurch betroffen. Diejenigen, die auch die Chancen dieses Veränderungsprozesses erkennen, werden als Gewinner hervorgehen“, sagt etwa Chris Budgen, CCO EMAKINA CEE. Tatsächlich könnte die Angst vieler Unternehmen und Arbeitnehmer vor dem Schreckgespenst Digitalisierung unbegründet sein. „Digitalisierung bedeutet nicht nur eine Weiterentwicklung von Produktionsmöglichkeiten, sondern auch neue Geschäftsmodelle“, ist René Heinzl, Geschäftsführer der MTB Finanzberatung & IT GmbH, überzeugt. Er betont: „Der effiziente Umgang mit Daten macht den Unterschied.“ Mark Bogen von Dale Carnegie macht Mut für Innovationen: „Es kommt darauf an, Innovationen zuzulassen und einzufordern. Das kann jedes Unternehmen. Eine Innovation findet nur statt, wenn wir uns austauschen und die gesamte Organisation die Veränderung lebt.“

Gerald Watzal als Präsident und Mag. Kurt Kribitz als Vizepräsident bestätigt

Im Rahmen des Druck- & Medienkongresses fand auch die ordentliche Hauptversammlung des Verband Druck & Medientechnik statt. Wichtigster Tagesordnungspunkt: Gerald Watzal, geschäftsführender Gesellschafter von Offset 5020 in Salzburg, wurde als Präsident des Verband Druck & Medientechnik wiedergewählt und steht für weitere drei Jahre an der Spitze des Verbandes. Mag. Kurt Kribitz, Vorstand der Styria Media Group AG, wurde als Vizepräsident bestätigt und steht ebenso weitere drei Jahre für den Verband zur Verfügung.

Bilanz und Vorschau

„Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Druck- & Medienkongress. Das neue Format kam bei den Teilnehmern sehr gut an“, zieht Präsident Gerald Watzal positive Bilanz. Der nächste Druck- & Medienkongress findet am 25. Mai – unter der Schirmherrschaft von Landesgruppen-Obmann Dr. Armin Kreiner – in Kärnten statt.

 

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Matthias Horx gilt als einflussreichster Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum. Nach einer Laufbahn als Journalist gründete er zur Jahrtausendwende das Zukunftsinstitut, das heute zahlreiche Unternehmen und Institutionen berät. Seine Bücher, wie „Anleitung zum Zukunftsoptimismus“ oder „Das Buch des Wandels“ wurden Bestseller. Als Gast-Dozent lehrt er Prognostik und Früherkennung an verschiedenen Hochschulen.

Der Verband Druck & Medientechnik besteht seit 1872. Er ist die einzige umfassend kompetente und unabhängige Unternehmensvertretung für die grafische Branche in Österreich. Der Verband vertritt mehr als 200 Unternehmen vom Kleinbetrieb bis zum internationalen Konzern. International ist er in der FESPA (Federation of European Screen Printers Associations) und Intergraf organisiert. Präsident ist Gerald Watzal, geschäftsführender Gesellschafter von Offset 5020 in Salzburg.